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Kein Winterschlaf im Bergdörfchen

Seit Monaten organisieren Bürger die 1050 Jahrfeier von Jauernick . Ende Mai verwandelt sich der Ort in eine Festmeile.
Mit diesem Logo will der Markersdorfer Ortsteil Jauernick-Buschbach die Neugier auf sein Jubiläum wecken.

Der Schein trügt: So verträumt dieser Blick auf den Kreuzberg wirkt, so umtriebig arbeitet ein harter Kern im Dorf seit Monaten an der Vorbereitung eines großen Ereignisses. Wenn einem der ältesten Orte in der Oberlausitz ein runder Geburtstag bevorsteht, in diesem Fall der 1050., dann will das auch gebührend gefeiert werden. Darin waren sich jene Bürger einig, die sich schon Ende 2015 verabredeten, um Pläne für so eine Jahrfeier zu schmieden. Für Träumereien bleibt inzwischen keine Zeit mehr. Das Fest soll im Anschluss an Himmelfahrt am letzten Maiwochenende stattfinden. Jeder Schritt bis dahin ist eingetaktet. Gefeilt wird jetzt nur noch an Details, sagt Christian Thomas, der zum Vorbereitungsteam gehört.

"Wintereindruck" nannte Joachim Lehmann seine Aufnahme, die den Blick zur St. Wenzeslaus Kirche in Jauernick-Buschbach wiedergibt.
"Wintereindruck" nannte Joachim Lehmann seine Aufnahme, die den Blick zur St. Wenzeslaus Kirche in Jauernick-Buschbach wiedergibt.
Vor Monaten, als es die ersten Absprachen im Berggasthof gab, war eine Idee nach der anderen auf den Tisch gekommen. Der kleinste gemeinsame Nenner stand schnell fest: Es war der Termin: 26. bis 28. Mai 2017. Die Liste der Vorschläge und Aufgaben gestaltete sich anfangs von Mal zu Mal länger, mit der Zeit dann vor allem übersichtlicher. Jetzt, wo sich die Programmteile aneinanderfügen, lässt sich das Vorbereitungsteam gern in die Karten schauen.

Gefeiert wird auf einer Festmeile entlang der Jauernicker Dorfstraße, mit einem großen Zelt als Mittelpunkt, dort, wo sonst die Gäste vom St. Wenzeslaus-Stift parken. Dieser Straßenzug mitten im Ort ist bewusst gewählt. Gefeiert werden soll dort, wo die Menschen leben und arbeiten. Das muss jedoch auch ganz anders organisiert werden als bei einem Ereignis auf der Festwiese am Schwarzberg.

Die nächste Krux war der Jubilar selbst. Die ersten Hinweise für Jauernick reichen die besagten 1 050 Jahre zurück. Der Ort wurde Jahrhunderte später mit dem jüngeren Buschbach zusammengefügt. Das war 1936. Da hatten die Nationalsozialisten den ursprünglichen Namen von Buschbach, Niecha, bereits von ihrer Liste gestrichen, weil er zu sehr an die slawischen Wurzeln erinnerte. Jauernick-Buschbach im Ganzen und 1050 Jahre, das wäre also nicht korrekt gewesen, deshalb einigte sich das Team auf 1050 Jahre Jauernick mit dem Zusatz, Jauernick - Buschbach feiert.

Dem Anspruch, gerade dort ein Fest zu geben, gemeinsam zu essen, zu tanzen, sich zu unterhalten, zu lachen, wo die Menschen auch sonst leben, folgt die nächste Idee. Die Jauernick - Buschbacher wollen ihre Gäste auf einem Rundgang durch den Ort begleiten. Auf diesem Ausflug werden die Besucher an Gebäuden und Grundstücken Tafeln entdecken. Darauf erfahren sie, was sich früher mal in dem jeweiligen Objekt befand und wie das kleine Bergdorf schon immer durch Landwirtschaft, Handwerk und Religion geprägt war. Es gab mehrere Bäcker und Fleischer, eine Schmiede, Post, Schule, Stellmacher, Bauernhöfe und vieles mehr. Joachim Lehmann blättert in seinen Chroniken. Für 1865 kann er zum Beispiel 22 Handwerker und Gewerbetreibende benennen. Heute hat das gesamte Dorf mit 418 Einwohnern (Stand Ende 2013) keinen einzigen Laden mehr. Aber es gibt einen Kindergarten in Buschbach, die zwei kirchlichen Tagungs- und Freizeithäuser, den Berggasthof, die beiden Gotteshäuser in Jauernick und das Vereinshaus.

Auf den Tafeln wird all das zu finden sein. Sie werden aus Kunststoff hergestellt, damit sie dauerhaft im Ort auf diesen kleinen Rundgang einladen. Die historischen Daten mit speziellen Kapiteln zu Geschichte, Handwerk und Gewerbe, den Dorffesten, Persönlichkeiten des Ortes und Ansichten können Bürger und Gäste auch in der Festschrift nachlesen, an der mehrere Einwohner mitarbeiten.

Und so gibt es noch weitere Initiativen im Ort. Eine Gruppe kreativer Frauen wählte das Ahornblatt als Motiv für kleine Geschenke zum Fest. Nicht ohne Grund. Denn "Jauer" in Jauernick, das auch in anderen Ortsnamen im Schlesischen auftaucht, geht das slawische Wort Jawor zurück. Und das steht für den Ahorn.

Inzwischen ist auch das Unterhaltungsprogramm so gut wie druckreif. Die Flyer sollen dann auch bald verteilt werden. Die Geburtstagsgäste können sich schon auf eine bunte Mischung aus eigenen Angeboten, die vor allem von Vereinen und Bürgern eingebracht werden und Auftritten von Künstlern freuen. So wird zum Beispiel der aus Funk und Fernsehen bekannte Komiker Heiko Harig dabei sein und die Jindrich Staidel Combo aus Dresden. An Spaß wird es also nicht fehlen. Nur Ausdauer werden die Gäste mitbringen müssen. Denn gefeiert wird ab Freitagabend das gesamte letzte Mai-Wochenende. Dabei soll der Freitag zwar den geladenen Gästen und den Einwohnern vorbehalten bleiben. Wer dann davor noch den traditionellen Heiratsmarkt zu Himmelfahrt besuchen will, der wird nur wenige Stunden zum Ausruhen haben.

Wer noch kommt:
Gruppe midiRock Band, Musikverein von der Partnergemeinde aus Emersacker,Tanzkreis Rübezahl, Zauberer, Himmelfahrtsverein, Schausteller und Handwerker

Mit freundlicher Genehmigung nach einem Beitrag von Anja Gail in der Sächsischen Zeitung / Görlitzer Nachrichten vom 21. Januar 2017,
erschienen am 22. Januar 2017 auf sz-online.de.

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