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Historisches

Markersdorf ist ein großes und bäuerlich geprägtes Dorf, anmutig sich in das Tal des Weißen Schöps einfügend. Eine Wanderung durch den Ort mit seinen schönen Gehöften, restraurierten Fachwerkbauten und dem Gewerbegebiet an der Bundesstraße 6 lässt auf eine reiche Geschichte schließen, aber auch die Fortschritte der Gegenwart erkennen.

Schon in der Mittleren Steinzeit (12000-3000 vor unserer Zeitrechnung) lassen sich Menschen in unserer engeren Heimat nachweisen. Es waren umherschweifende Sammler und Jäger. Bodenfunde aus Feuerstein weisen dies nach. In der Jüngeren Steinzeit (3000-1800 v. u. Z.) betrieb man schon Ackerbau und züchtete Vieh. Feldhacken, Tongefäße und geglättete Steinbeile wurden gefunden.

In der folgenden Bronzezeit und der Frühen Eisenzeit (1200-400 v. u. Z.) verbesserten sich die Gerätschaften. Auch die Bevölkerungsdichte nahm zu.

Im 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung kamen die Burgunden auf ihrer Wanderung an den Rhein in unsere Gegend und lassen sich für etwa 200 Jahre hier nachweisen.

Im 7. Jahrhundert drangen slawische Völkerschaften vom Osten her vor. Reste ihrer Burgwälle sind noch sichtbar in Jauernick, auf der Landeskrone oder auch der Schanze bei Schöps. Nach schweren Kämpfen wurden die Slawen wieder nach Osten abgedrängt und es begann die jene geschichtliche Zeit unserer Heimat, in der wir uns auf schriftliche Quellen stützen können.

Um das Jahr 980 wurde in Jauernick die erste Kirche unserer Umgebung errichtet. Die Besiedlung des Landes durch deutsche Bauern begann. Sie kamen aus Franken, Bayern, Thüringen und auch Flamen.

Markersdorf selbst wurde etwa um 1150 als Straßendorf angelegt. Das Land wurde nach fränkischen Hufenmaß vermessen und läßt Rückschlüsse auf die ersten Siedler zu. Jeder von ihnen erhielt etwa 50 Hektar. Der Wald, die Dorfaue und der Viehweg (Viebig) wurden gemeinsam genutzt.

Urkundlich erwähnt wurde Markersdorf im Jahr 1360 in einer Stiftungsurkunde im Görlitzer Stadtbuch. Der damalige Ortsname "Markwartsdorf" lässt auf den Namen des Locators (Ortsanweisers) schließen. Er wandelte sich 1394 in Marcwardsdorf, 1405 in Marcwarsdorf, 1449 in Margwardsdorf und schon 1481 in Markersdorf.

Der ursprüngliche Ort wurde beherrscht von einem Herrn von Gersdorf als Grundherren. Durch verschiedene Verkäufe und Zugewinne entstanden drei, später sogar fünf Ortsteile. Diese waren:

1. Anteil des Ritters von Gersdorf, später gekauft vom Kaufmann Bartholomäus Hirschberg, ab 30. Juli 1738 im Besitz des Weltadligen Fräuleinstiftes Joachimstein (Stifisanteil)

2. Anteil des Klosters Marienthal (seit 6. Februar 1394)

3. Anteil des Görlitzer Jakobshospitals

4. Pfarrlehen von etwa 50 Hektar

5. Reichenbacher Widemut

Die aus Bruchsteinen bestehende Barbarakapelle wurde nach dem Baustil zu urteilen um 1250 erbaut. Die zwei kreuzgewölbten Joche sind in Resten noch erkennbar. Die Kapelle wurde 1431 während der Hussitenkriege zerstört. Die Markersdorfer Kirche ließ der Görtitzer Kaufmann Bartholomäus Hirschberg erbauen. Sein Wappen und die Jahreszahl 1455 weisen darauf hin.

Die Lage Markersdorfs an der wichtigen "Via Regia", auch "Hohe Straße" genannt, war von großer Bedeutung. Jedoch brachte sie der Stadt Görlitz und den umliegenden Dörfern nicht nur wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch viele Notzeiten. Nach den Hussitenkriegen brachte der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) viel Elend über die Bevölkerung. Die Chronik des damaligen Schmieds und Lehrers Michael Wehlt gibt darüber genaue Auskunft. Um 1600 dürften auch die Anfänge der Markersdorfer Schule liegen.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg suchten vertriebene Protestanten aus Böhmen und Mähren in der Oberlausitz Schutz. Durch diese Exulanten entstanden auf der Dorfaue am Schöps 57 sogenannte Gartennahrungen. Zuerst betrieben diese Auenhäusler die Handweberei, wurden Landarbeiter und später als Auspendler Fabrikarbeiter in Görlitz.

Der Siebenjährige Krieg 1756 bis 1763 brachte den Einwohnern große Not, besonders durch die vielen Einquartierungen und die sehr hohen Kontributionen.

Von 1768 bis 1800 gab es in Markersdorf eine "Silbergrube", aus der aber nur Eisenerz gefördert wurde. Dieses wurde in der Heide ausgeschmolzen und von den Schmieden kunstvoll verarbeitet, unter anderem zu Grabkreuzen.

Eine besondere war die Zeit der Napoleonischen Kriege. Nicht umsonst wird Markersdorf auch "Napoleonsdorf" genannt. Immer wieder suchen Besucher aus Frankreich im Ort und im Museum nach Spuren der napoleonischen Zeit. Der Bevölkerung brachten diese Kriegswirren große Verluste an Geld, Hausrat, Vieh und nicht zuletzt an Gesundheit und Leben.

Auch 1866 im Krieg gegen Österreich gab es Armut und Not. Die Kriege von 1870 und besonders der Erste Weltkrieg forderten viele Menschenleben und brachten große Schäden für die Wirtschaft.

Die nationalsozialistische Herrschaft sollte jedoch noch schlimmeres Elend bringen, wie auch über andere Völker. Viele Markersdorfer kehrten aus dem Krieg nicht mehr zurück, andere mit schweren Verwundungen. Auch im Dorf begann eine Leidenszeit. Ständige Einquartierungen und immer häufiger werdende Todesnachrichten von der Front machten die Lage nicht besser. Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter mussten die Felder bestellen. Am Kriegsende wurden an der heutigen Bundesstraße B6 Panzersperren errichtet und Minen gelegt. Auf den Straßen stauten sich die Flüchtlingstrecks. Auch die Markersdorfer wurden zweimal zur Flucht getrieben. Nach dem Krieg erhöhte sich die Einwohnerzahl drastisch. Viele Flüchtlinge hatten sich hier niedergelassen, immer auf Rückkehr in die alte Heimat hoffend.

Die Wirtschaft konnte sich nach dem Krieg nur sehr langsam erholen. Es fehlte an Zugvieh, an Technik und auch an Arbeitskräften. In Markersdorf entwickelte sich die 1956 zum Teil gegen den Widerstand der Bauern gegründete Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft im Gegensatz zu vielen anderen LPGs sehr positiv.

So wurden 1984 bei Getreide schon 57 dt/ha geerntet. Der Durchschnitt in der DDR lag damals bei 35,8 dt/ha, in der Bundesrepublik Deutschland bei 41,6 dt/ha. Ursachen dieser Entwicklung waren neben der Bodenqualität (Bodenwertzahlen um 58) die qualifizierten Mitarbeiter, der Fleiß und nicht zuletzt die straffe, nach ökonomischen Gesichtspunkten orientierte Leitung. Auf diesen Grundlagen hat auch die nach 1989 entstandene privatwirtschaftliche Landwirtschaft ihre Existenz.

Auch die Schule entwickelte sich. Die 1916 erbaute heutige Grundschule wurde zu klein und mußte 1978/79 zur Zehn-Klassen-Schule erweitert werden. Aus sechs Klassenzimmern wurden nun 13. Am 22. Februar 1982 wurde die Turnhalle mit 570 Quadratmetern Turnfläche eingeweiht. Schon 1991 mußten wieder zwei Klassenzimmer angebaut werden. Das Einzugsgebiet hatte sich erweitert und Markersdorf neben der Grundschule auch eine Mittelschule. Erst im Jahre 2006 musste die Miitelschule wegen sinkender Schülerzahlen schließen und ist heute wieder eine Grundschule.

Markersdorf entwickelt sich von einer fast reinen Landgemeinde zu einem Ort mit Gewerbestandorten. Schon 1990 begann die Erschließung des Gewerbestandortes "Am Viebig" und der Bau einiger Nebenstraßen. Die verkehrsgünstige Lage in Markersdorf an der B 6 und die künftig kurze Entfernung zur Autobahn A 4 und dem Grenzübergang Ludwigsdorf wirkt sich auf Standortwahl und Nachfrage an erschlossenem Gewerbebauland sehr positiv aus.

Mit dem im Oktober 1990 begonnenen Gewerbegebiet mit 23 Hektar Gesamtfläche und der Erweiterung um weitere fünf Hektar wurde der Grundstein für die Ansiedlung mittelständischer Gewerbebetriebe und Existenzgründer gelegt.

1991 wurden die Verbindungsstraße nach Holtendorf, die Zahnarztpraxis und die ersten Trinkwasser Leitungen gebaut. 1992 wurde das Schlesisch-Oberlausitzer Dorfmuseum der Öffentlichkeit übergeben. An der Schule wurde der Zwischenbau aufgestockt. 1993/94 erfolgten der Bau der Straße nach Friedersdorf sowie die Weiterführung der Trinkwasserleitung. Ein Höhepunkt war zweifellos die feierliche Einweihung des Markersdorfer Rathauses am 30. Oktober 1993.

Am 1. Januar 1994 schlossen sich die Gemeinden Deutsch-Paulsdorf, Friedersdorf, Gersdorf, Holtendorf, Jauernick-Buschbach und Pfaffendorf zur Großgerneinde Markersdorf zusammen. Die neue Gemeinde hatte am Gründungstag eine Fläche von 61,91 Quadratkilometern und insgesamt 3476 Einwohner

(nach einem Text von R. Ottlinger)


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