Anzeigen
 

Heiratsmarkt und Himmelfahrtsverein

Jauernicker Heiratsmarkt
Der Jauernicker Heiratsmarkt hat eine alte Geschichte: In früheren Zeiten, als die Mobilität in ländlichen Regionen noch sehr eingeschränkt und die Bewohner eines Dorfes meist untereinander verwandt waren, wurde einmal im Jahr in einigen Orten ein so genannter Heiratsmarkt veranstaltet. Absicht war es hierbei, Eheschließungen über die Dorfgrenzen hinweg und somit eine Durchmischung verschiedener Dorfgemeinschaften zu erreichen. Viele der heutigen Volksfeste gehen ursprünglich auf Heiratsmärkte zurück. Seit die Mobilität allgemein gestiegen ist, haben die Jahrmärkte ihre Bedeutung als Heiratsmärkte jedoch verloren.

In Ostsachsen entwickelten sich im Laufe der Jahrhunderte sehr bekannte Heiratsmärkte, wie z.B. in Großdobritz und in Diesbar-Seußlitz. Letzterer hatte seinen Ursprung bereits im Jahr 1541 und ist heute einer der größten Heiratsmärkte in Sachsen. Für das kleine Dorf bei Meißen ist es jährlich eine große Herausforderung, ein Volksfest mit ca. 10.000 Gästen zu Christi Himmelfahrt zu veranstalten! Von früher auch sehr bekannt ist der größte Heiratsmarkt Niederschlesiens in Gorkau am Fuße des Zobten.

Der Jauernicker Heiratsmarkt ist in unserer Region, der Oberlausitz, einzigartig. Über seine Entstehung gibt es keine eindeutigen Nachweise. In einem Bericht der "Niederschlesischen Heimatblätter" vom 9. September 1928 wird bereits nach dem Krieg 1870/71 von der Existenz eines florierenden Heiratsmarktes berichtet. Karawanen zu Fuß, Pferd und Wagen waren ins Dorf eingerückt und tagelang hatte der Markt angehalten.

Die Blütejahre des Jauernicker Heiratsmarktes waren sicherlich die 20er und 30er Jahre im letzten Jahrhundert. Durch das Vorhandensein dreier Gaststätten und der Geschäftstüchtigkeit der Inhaber wurde alles mobilisiert, was zu einem derartigen Volksfest gehört. Schausteller und Verkaufswagen waren entlang der Straßen von der "Kreuzbergbaude" bis zum Kretscham von Adolph Degwert in Niecha (ab 1937 Buschbach) platziert.

Während der beiden Weltkriege fanden keine Heiratsmärkte statt. Erst Ende der 1940er Jahre bis Mitte der 1960er Jahre wurden wieder Heiratsmärkte durchgeführt, hatten aber eine geringere Dimension als vor dem letzten Krieg. Da von staatlicher Seite kein Interesse mehr an derartigen Festen bestand, das Marktwesen allgemein rückläufig war und letztlich 1967 der Feiertag abgeschafft wurde, kam das Aus für den Heiratsmarkt in Jauernick.

Im Jahr 1993 kam es durch Anregung von Klemens Burkhardt und der Initiative der FFw zu einer Wiederbelebung des Heiratsmarktes. Dank der Organisation durch die Freiwillige Feuerwehr und der Mitarbeit vieler fleißiger Helfer werden seitdem regelmäßig Heiratsmärkte auf Jauernicker Festwiesen durchgeführt und erfreuen alljährlich viele Heiratsmarktgäste aus nah und fern.

Jauernicker Himmelfahrtsverein

"Interessengemeinschaft unabhängiger Herren von Jauernick und Umgebung zur Wahrung der Traditionen des Ehrentages des Mannes am Himmmelfahrtstag sowie der Förderung der niveauvollen Geselligkeit, des Wanderns und des deutschen Volksliedes" heißt es in der Urkunde des "Jauernicker Himmelfahrtsvereines".

Nach der oben erwähnten Abschaffung des Feiertages fanden sich um das Jahr 1970 einige jugendliche Männer zusammen, um zu Himmelfahrt dennoch wieder etwas "zu unternehmen". Heute sind es etwa 16 Mitglieder. Der Verein ist nicht eingetragen, und man unternimmt auch keine "Sauftouren", sondern es werden kultivierte Ausflüge, Kremserfahrten, Zugfahrten ins Zittauer Gebirge und das Oberlausitzer Bergland und bis in den Spreewald durchgeführt.

Dabei wird unterwegs und auf den Wanderwegen von den Vereinsmitgliedern gesungen, was die Kehle hergibt. Mittags wird eingekehrt und oft ist es schon vorgekommen, dass man die sangesfreudigen Vereinsmitglieder nicht so schnell fortgelassen hat. Das ganze Repertoire an Volksliedern musste erst gesungen bzw. gespielt werden. Instrumental werden sie von Martin Sahm am Akkordeon und von Peter und Wolfgang Mauermann mit der Gitarre bzw. der Trompete
begleitet.

Das Volksliederrepertoire wurde eigens für alle Vereinsmitglieder in einem Liedertextbuch zusammengetragen und darf bei keinem Auftritt fehlen.
Urkunde und Vereinsfahne gehören genauso zum Verein wie die exakte Anzugsordnung, die Frack und Zylinder vorsieht. Der Himmelfahrtstag wird zum geselligen Wandern in Mutter Natur und zu Treffs in gemütlicher Runde genutzt und man erhält alte Traditionen.

Nach einem festen Ablaufplan ist man, über das gesamte Jahr verteilt, bei den verschiedensten Anlässen wie Jubiläen, runden Geburtstagen und anderen kulturellen Veranstaltungen als Verein präsent. Schon zur Tradition sind auch jährliche Wandertouren im Herbst in das Iser- bzw. Riesengebirge geworden. Selbst bis in die Alpen wurden schon Ausflüge unternommen.

Der Himmelfahrtsverein leistet mit der Pflege des Brauchtums und des deutschen Volksliedgutes einen bedeutsamen Beitrag zur Bereicherung und Entwicklung der Dorfkultur.

Autor: Joachim Lehmann


Aktuelles aus Jauernick-Buschbach


 
 

Bilder aus Jauernick-Buschbach