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1 - Aus der LPG

Das 1989 fertiggestellte LPG-Kulturhaus. Foto: M. Rößler
Das 1989 fertiggestellte LPG-Kulturhaus. Foto: M. Rößler
Als die LPG "Wilhelm Pieck" Markersdorf im Januar 1989 ihr neues Kulturhaus mit Betriebsküche, Speisesaal und Kulturraum einschließlich Sauna und Büroräumen in Betrieb nahm, ahnte wohl noch niemand, was sich bis Jahresende in der DDR entwickeln würde. Mit viel Aufwand wurde ein Gebäude mit Pferdestall und Kutschschuppen, dazu ein großer Anbau für o. g. Zwecke mit Um- und Neubau, von der ZBO Schöpstal errichtet.

Da die Möglichkeiten für eine freitragende Decke in der DDR nicht realisierbar waren, musste der Kulturraum mit vier tragenden Säulen gebaut werden.

Unserem LPG-Vorsitzenden, Herbert Neumann, gelang das Kunststück, dass dieses Objekt als erstes Grundstück in Markersdorf an die Ferngasleitung angeschlossen wurde. Dazu musste die Haupttrasse einen Abzweig erhalten und bis zur Niederdruckstation am Weißen Schöps wurde eine neue Zuleitung gebaut.

Der bereits betonierte Kohlelagerplatz wurde zum Parkplatz umfunktioniert.
Welche Freude, wenn das ganze Haus beheizt wird, die Küche mit Gas kochen kann, ohne Heizer überall warmes Wasser anliegt, viel Kohlenstaub und eine Arbeitskraft eingespart werden.

Die Tischlerei Fieber gestaltete im Erdgeschoss Wände und Säulen mit ihrer Verkleidung aus Furnierholz zu einem freundlichen Anblick.

Die LPG und ihre Mitglieder hatten eigentlich keinen Grund zum Klagen. Die LPG hatte sich positiv entwickelt, sie hatte im Kreis und Bezirk einen Spitzenplatz in der Produktion, in der Planerfüllung und in der Konsumtion. Doch diese Aufgabe stand jeden Tag neu an.

Mit der Bildung der LPG Pflanzenproduktion "Schöpstal" 1976 war es erforderlich, die Selbständigkeit für alle notwendigen Arbeiten herzustellen. Deshalb mussten neben den Tierpflegern, den Kolleginnen und Kollegen der Leitung, der Küche und der Buchhaltung nachstehende Berufsgruppen wie Traktoristen, Maurer, Elektriker, Schlosser für Kraftfahrzeuge sowie für Melk- und Wasseranlagen eingestellt werden.

Wer alle Fachkräfte im Betrieb hatte, war weitestgehend unabhängig. Dazu gehörten auch Beziehungen in alle Richtungen, um Ersatzteile und notwendiges Material zu beschaffen.

Das Futter für unsere Tierbestände in der Kooperation kam in der Mehrzahl von der Pflanzenproduktion und war aufgrund der großen Viehbestände, die ja durch das staatliche Aufkommen Pflicht waren, nicht ausreichend. Die Futterverteilung zwischen den Betrieben der Tier- und Pflanzenproduktion wurde durch Verträge geregelt.

Für die Viehbestände bei der Markersdorfer LPG standen reichlich Tierplätze zu Verfügung. Die Rindermast hatte überwiegend Neubauplätze, die Milchkühe waren mit drei großen Ställen mit 350 Plätzen versorgt. Weitere 230 Kuhplätze gab es in den ehemaligen sieben Bauernställen mit 26 bis 40 Kühen.

Die Kühe weideten im Sommer auf der Weide, wobei die großen Ställe zum Teil weite Triebwege hatten, die sich auch auf die Leistung negativ auswirkten.
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Bei den Bauernställen lagen die Weiden in der Mehrzahl in Stallnähe. In diesen Ställen wurden das Futter und der Stalldung mit der Hand rein- und rausgefahren.

Um die Leistung des Melkers mit 35 Kühen im Winterfutterhalbjahr über 200 Tage zu nennen, waren täglich je Kuh 80kg Futter und Stalldung bzw. 28dt vom gesamten Stall zu transportieren und auf- und abzuladen.

In den Sommermonaten betrug der Arbeitsaufwand etwa 50 Prozent. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass sich nach 30 Jahren Stallarbeit Abnutzungserscheinungen am Skelettsystem einstellen.

Ab 1. Juli 1990 endeten die Planwirtschaft der DDR und damit auch die stabilen Erzeugerpreise. Die neuen Preise betrugen vergleichbar nur noch 30 Prozent der DDR-Preise. Nun wurde auch das Geld knapp und bis zum Jahresende mussten aus Altersgründen die ersten Mitglieder in den Vorruhestand gehen.

Die volkseigenen Betriebe und andere, wie auch die LPG, mussten sich für eine neue Unternehmensform entscheiden oder auch privatisieren. Neues Zahlungsmittel im Osten wurde auch für uns die DM-West. Die Marktwirtschaft hielt Einzug und dadurch konnte man alles kaufen, solange es der Geldbeutel zulässt. Die Läden von Konsum, HO, Delikat und Intershop wurden bis zum Jahresende privatisiert oder von BRD-Firmen übernommen.

Wer zu DDR-Zeiten in die BRD reisen durfte, war von dem reichhaltigen Warenangebot von Lebensmitteln und Textilmarkenwaren beeindruckt. Wir als DDR-Bürger sahen uns im Ausland als Menschen zweiter Klasse, dort gab es nur für DM-West alles zu kaufen. Dieser Unterschied machte die DDR-Bürger unzufrieden und sie fragten berechtigt: "Was hat unsere Arbeit für einen Wert?"

- wird fortgesetzt -

Quelle: Schöpsbote, Ausgabe Januar 2013