Anzeigen
 

Im Mittelalter

Die Entwicklung von Erligheim im Mittelalter

Die Ersterwähnung des Dorfes erfolgte im Lorscher Codex. "Am 16. Februar 793, im 25. Regierungsjahr des Königs Karl, schenkt die Gottgeweihte Hilteburc dem Kloster Lorsch verschiedene Güter, darunter auch Erligheim, all mein Eigentum."

Sicherlich bestand die Siedlung zum Zeitpunkt der Ersterwähnung schon einige Jahrzehnte eher. Noch früher nutzte ein römischer Gutshof, wie Funde belegen, den fruchtbaren Lößboden. Vieles spricht dafür, dass im 7. Jahrhundert der Landausbau durch die Franken entlang des "Alten Speyrer Weges" begonnen hat.
Quelle: Erligheim im Wandel der Zeit
Quelle: Erligheim im Wandel der Zeit
452 Jahre ist keine weitere urkundliche Erwähnung zu finden. In den Jahren um 1300 ist Erligheim Spekulationsobjekt verschiedener Ritterfamilien, die durch Tausch und Verkauf Teile des Dorfes zu Geld machten. In den Urkunden finden sich zwischen den Zeilen auch Angaben über die Lebens- und Arbeitsbedingungen der einfachen Leute, der Bauern.

Beispielsweise musste ein Erligheimer Bauer, der den Hof des badischen Ministerialen Heinrich bewirtschaftete, jährlich sieben Malter Weizen, sieben Malter Spelz und acht Malter Hafer, also 2000 kg Getreide, und sechs Hühner liefern. Außerdem verlangte die Kirche noch den zehnten Teil der Ernte, die zum Teil auch nach Speyer ging. Die Bauern hatten im System der spätmittelalterlichen Herrschaft Abgaben und Dienste an den Grund-, Kirchen-, Land-, Leib- und Gerichtsherrn sowie an die Dorfgemeinde zu entrichten.

Im frühen und hohen Mittelalter richtete sich die Abgabe oft nach dem Ertrag, während später zunehmend gleichbleibende Leistungen gefordert wurden. Durch solche Knebelverträge war bei Missernten und Kriegsschäden der Hunger groß.

1338 befanden sich Bönnigheim und Erligheim im alleinigen Besitz von Friedrich von Sachsenheim. Er war der letzte alleinige Orts-, Gerichts- und Landesherr in beiden Dörfern. Nach seinem Tode übernahm eine Erbengemeinschaft den gesamten Besitz, das führte durch unterschiedliche Interessen schnell zu Konflikten.

1388 wurde vertraglich Burgfrieden geschlossen, es beginnt die Zeit der Ganerben. Eine Ganerbschaft war nach altdeutschem Erbrecht das gemeinsame Familienvermögen, vorwiegend Grundbesitz. Vier Adelsfamilien aus der Erbengemeinschaft unterzeichneten die Urkunde.

Damit war das Dorf in vier Teile aufgeteilt: Mainzisch, Gemmingisch, Neypperisch und Sachsenheimisch. Einzelne Teile wurden jedoch in kaum überschaubarer Weise verkauft, versetzt, verpfändet und aufgesplittet. Offensichtlich ist es den Bauern in Erligheim und Bönnigheim jedoch gelungen, wohl durch die komplizierten Herrschaftsverhältnisse, frei von der Leibeigenschaft zu bleiben.

Im Jahre 1500 teilten sich zehn verschiedene Herren die Landes- und Gerichtsbarkeit in beiden Dörfern. Das sollte noch ca. 300 Jahre so bleiben.
Aufteilung von Erligheim Anfang des 19. Jahrhunderts
Aufteilung von Erligheim Anfang des 19. Jahrhunderts
Eine Besonderheit im Spätmittelalter war die Abhaltung des Ruggerichts. Regelmäßig wurden die Bürger befragt, ob sie einen Mitmenschen bei einer Straftat beobachtet oder davon gehört haben. Viermal im Jahr tagte das Ruggericht, damit jeder Mitbewohner Strafbares (Rug) anzeigen konnte/musste.

Auf dem Rugzettel waren die Vergehen aufgeführt, beispielsweise: unchristliches, ärgerliches Leben, Fernbleiben der Predigt, stattdessen gezecht, getanzt, gespielt, spazieren gegangen, Gott das heilige Evangelium geschmäht und gelästert. Die Hilfsbedürftigen sollten nicht ihre Almosen oder erhaltenen Gemeindegelder mit täglichen Zechen, Spielen oder anderen Vergnügungen unnütz verschwenden.

Die Einhaltung der Vorschriften stand damit unter sozialer Kontrolle. Jede Abweichung wurde geahndet, dem Denunziantentum waren Tür und Tor geöffnet. Die gesellschaftlichen Verhältnisse waren reif für Veränderungen. Der Bauernkrieg und die Reformation kündigen sich an.

Quelle: Erligheim im Wandel der Zeit

Hans-Jürgen Rothe

Nach einem Beitrag im Schöpsboten, Ausgabe Februar 2014