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In die Neuzeit

Die Entwicklung Erligheims vom Mittelalter bis zur Neuzeit

Im Frühjahr des Jahres 1525 schließen sich überall in Südwestdeutschland die Bauern zu bewaffneten Haufen zusammen, um gegen ihre Herren zu ziehen. Bis heute besteht Uneinigkeit über die Ursachen des Aufbegehrens der Bauern gegen ihre Obrigkeit. Begehrten sie zu Recht gegen die überzogenen Abgaben und Dienste auf oder waren sie nur die "räuberischen und mörderischen Rotten", als die Luther sie dargestellt hat.

Seit der Jahrhundertwende war es zu mehreren Missernten gekommen, die sich umso schwerer auswirkten, weil die jährlichen Abgaben gleich blieben. Selbst bei völligem Ernteausfall verlangte der Grundherr den festgelegten Betrag, ohne Rücksicht auf den Hunger der leidenden Familie. Die Herrschaft nutzte die Lage noch dahin gehend, dass die Rechte der Bauern (das niedere Jagdrecht, die Fischerei und die Allmende) eingeschränkt und die Leibeigenschaft ausgedehnt wurden.
Gasthof "Grüner Baum" in Erligheim, Foto: Gemeinde Erligheim
Gasthof "Grüner Baum" in Erligheim, Foto: Gemeinde Erligheim
Ostern 1525 rotteten sich in den benachbarten Dörfern die Bauern zusammen. Wahrscheinlich ist, dass auch Erligheimer Bauern dabei waren. Zahlreiche Schlösser und Burgen wurden erobert, geplündert und zerstört. In der Schlacht bei Böblingen kämpften 10.034 Mann gegen die erprobten Söldner.

Die Sache der Bauern war zum Scheitern verurteilt. Das Heer des Schwäbischen Bundes unter Führung des Truchsess von Waldburg schlug die Aufständischen am 12. Mai vernichtend. Es folgte ein großes Blutgericht: Dörfer wurden verwüstet, Tausende Bauern verbrannt, geköpft, geblendet, verstümmelt und verjagt.

Schon kurz nach dem Ende des Bauernkrieges beschließen die Ganerben, entgegen dem Erzbischof von Mainz, dass in der Bönnigheimer und damit in der Erligheimer Kirche evangelisch gepredigt werden solle. Nach dem Augsburger Religionsfrieden hat sich wenige Jahre später der neue Glaube in Erligheim etabliert.

Die Jahrzehnte um 1600 scheinen für Erligheim eine schwere Zeit gewesen zu sein. 1594 wird die Pest zum ersten Mal erwähnt. Das Kirchenbuch vermerkt zwischen Juli und Dezember 1607 insgesamt 163 Sterbefälle, das könnte die Hälfte der Bevölkerung gewesen sein. Vor allem die Kinder waren betroffen.

Das Sterben ging im 30-jährigen Krieg weiter. 1634 zieht die Soldateska der Kaiserlichen brennend, raubend und mordend durch die Gegend. Allein zwischen Januar und August 1634 gab es 40 Tote, gegenüber jährlich 15 vor dem Krieg.

Die überlebenden Erligheimer flüchteten hinter die Mauern von Bönnigheim. Dort erreichte sie das nächste Unheil, es wütete im Jahr 1635 die Pest. 1019 Menschen starben, darunter zwei Drittel Fremde.

Erst im Sommer 1648, nach dem Friedensschluss, kehrten die Überlebenden in das völlig zerstörte Dorf zurück. Nur die Hälfte der Einwohner hatte es überstanden und musste nun die verwüsteten Felder, Weinberge und abgebrannten Häuser wieder herrichten.

Bemerkenswert ist, dass es damals in diesem kleinen Ort relativ viele bettelarme Leute gegeben haben muss. Eine Erscheinung, die überall auftrat. Nicht umsonst wurde 1781 laut Gerichtsprotokoll ein Bettelvoigt eingesetzt. Dieser hatte folgende Aufgaben:
  1. Fremde Bettelleute auf das Schärfste abzuweisen.
  2. Hiesige Arme zweimal in der Woche durch das Dorf zu führen, damit sie Almosen sammeln konnten.
  3. Die Bettelleute vom Pfarramt und dem Schultheißhaus (Bürgermeister) fernzuhalten und sie eventuell dem Schultheiß zuzuführen.

An Arme wurden Blechmarken verteilt, für die sie bei den Bäckern
Brot bekamen.

Kamen kranke Bettler in die Ortschaft, dann wurden diese innerhalb von 24 Stunden auf einem Wagen in das nächste Dorf gefahren, damit sie dem Flecken nicht zur Last fielen. Sollte der Bettelvoigt seiner Aufgabe nicht gewachsen sein, drohte eine harte Leibesstrafe.

Bei den oben geschilderten Gegebenheiten musste es zu diesen sozialen
Missständen führen.

Quelle: Erligheim. Ein Weinort im Wandel

Hans-Jürgen Rothe

Nach einem Beitrag im Schöpsboten, Ausgabe März 2014