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Kirche und Schule

Christen in Erligheim

Der Michaelsberg ist das Wahrzeichen der Gegend um Erligheim. 793 wird in einer Urkunde die Kapelle auf diesem Ausläufer des Stromberges erwähnt. Die Erligheimer zogen seit jeher auf den Michaelsberg, um zu beten, bevor um 1290 im Dorf eine eigene Kapelle genutzt wurde.

Um 1480 wird vom Umbau der Kapelle zur Kirche berichtet, die Johannes dem Täufer geweiht wurde. Die Glocke, die noch heute zum Gottesdienst ruft, hat ein Gewicht von 540 kg. Sie stammt aus dem Jahre 1489 und ist damit die älteste Glocke im Kreis Ludwigsburg.

Die Reformation wurde nach 1537 eingeführt. Zunächst wurde neben dem evangelischen auch der katholische Gottesdienst abgehalten. Der Geistliche aus Bönnigheim versorgte die Erligheimer Gemeinde mit, bevor 1571 eine selbstständige Pfarrei gestiftet wurde.
Kirche Erligheim, Foto: Gemeindeamt
Kirche Erligheim, Foto: Gemeindeamt
Ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche erhielt sie im Jahre 1740 zur Amtszeit des Magisters Magnus Conrad Zeller. Die Inneneinrichtung war damals sehr einfach. Die Bänke hatten häufig Schilder mit den Namen der dort Sitzenden, die dafür zwei Gulden jährlich bezahlten. Die Jugend war im 18. Jahrhundert verpflichtet, bis zum 25. Lebensjahr an der Christenlehre teilzunehmen, ansonsten drohte Strafe.

Die gegenwärtige christliche Gemeinschaft besteht aus 1500 evangelischen, 700 katholischen und 78 freikirchlichen Gläubigen. Der katholische Gottesdienst findet in Bönnigheim statt. Die evangelische Gemeinde zeichnet sich durch eine lebhafte Tätigkeit unter Führung von Frau Pastorin Döbler aus.

So sind jährlich 20 bis 23 Konfirmanden zu unterrichten und mit Projekten zu betreuen. Das 2013 renovierte Gemeindehaus wird durch mehrere Jugendkreise, die Jungschar, den Frauentreff, das Frauenfrühstück, Themenabende, Chortätigkeit, Feinschmeckerabende mit Männern und weitere Aktivitäten belebt.

Schulgeschichte
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Wann die erste Schule eingerichtet wurde, ist nicht ganz sicher. 1563 wird ein Jakob Auterriedt als Schulmeister genannt. Da zu dieser Zeit niemand von dem geringen Lehrergehalt leben konnte, verdiente er sich nebenher sein Brot noch als Büttel und Messner.

Damals wurde allerdings auch nur ein bisschen Lesen, Schreiben gelehrt und die Grundkenntnisse des Katechismus beigebracht. Das Schulfach Rechnen kam erst 1767 dazu. Jeder, der von der Gemeinde als geeignet befunden wurde, konnte "Schulmeister" werden.

In einem Prüfungsprotokoll von 1815 heißt es über den neuen Schulmeister: "Er zeigt Kenntnisse der Grundregeln der deutschen Sprache, er liest mit Verstand, schreibt ziemlich fertig und richtig, rechnet mit Schnelligkeit, besitzt Kenntnisse in der Religion und weiß seine Gedanken in einem Satz ordentlich zu Papier zu bringen."
1839 erhielt der Schulmeister 84 Gulden und 32 Kreuzer, sowie Naturalien (Getreide, Wein, Holz). Dafür musste er 106 Kinder unterrichten.

Mitte der 50er Jahre stiegen die Schülerzahlen ständig an. Das alte Schulhaus war in schlechtem Zustand. Dies hatte zur Folge, dass auch im Saal des "Grünen Baumes" und im Rathaus unterrichtet werden musste. Vertreter des Oberschulamtes schlugen ein gemeinsames Schulhaus mit dem Dorf Hofen vor.

Nach zwei Jahren fand man eine Einigung über den Standort der zu errichtenden Schule. 1961 konnte diese am Rand von Erligheim eingeweiht werden.

Nach einem halben Jahrhundert macht sich der demografische Wandel auch in Erligheim bemerkbar. Zum ersten Mal reicht die Zahl der Erstklässler nicht mehr aus, um zwei Klassen zu bilden. Im Moment werden sieben Klassen unterrichtet. In den nächsten beiden Jahren sind es wieder zwei erste Klassen, dann geht es deutlich bergab.

Langfristig werden die Weichen in Richtung Ganztagsschule gestellt. Gegenwärtig fängt die Gemeinde den Bedarf an Betreuung mit der sogenannten Kernzeitbetreuung auf. Diese wird über den Schulträger bzw. Kindergarten organisiert. Berufstätige Eltern haben die Möglichkeit, ihre Kinder bis 16 Uhr betreuen zu lassen. Davon machen ca. 20 Familien Gebrauch, bei einer Schülerzahl von 120.
Seit 1999 leitet Herr Karl-Heinz Pfitzer die Grundschule.
Seit 1999 leitet Herr Karl-Heinz Pfitzer die Grundschule.
Den Haupt- oder Realschulabschluss erreichen die Jugendlichen mit dem Besuch der Werkrealschule in Bönnigheim mit dem Abschluss der 9. bzw. 10. Klasse. Für den Abschluss der Hochschulreife (Abitur) sind verschiedene Varianten auf den Gymnasien oder Berufsfachschulen in Bönnigheim, Besigheim, Laufen oder Bietigheim möglich. Diese Ausbildung beginnt ebenfalls mit zehn Jahren, also mit der 5. Klasse.

Quellen:
Erligheim - ein Weinort im Wandel
Festschrift: Grundschule Erligheim-Hofen
Schulleiter, Herr Karl-Heinz Pfitzer

Hans-Jürgen Rothe

Nach einem Beitrag im Schöpsboten, Ausgabe Mai 2014