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Durocstein und Barbarakapelle

 
Die Barbara-Kapelle in Markersdorf
Die Barbara-Kapelle in Markersdorf
Zu den besonderen Wahrzeichen von Markersdorf gehören neben Kirche, Schule, Rathaus und Museum der Durocstein und die Barbarakapelle.

Der Durocstein erinnert an jenen blutigen 22. Mai 1813, an dem im Gefolge der Schlacht bei Bautzen eine vom Hoterberg/Holtendorf in Richtung Markersdorf abgeschossene russische "blinde Kanonenkugel" in eine Gruppe hoher französischer Offiziere einschlug und zwei von ihnen dahinraffte, General Kirchner und Marschall Duroc, der Napoleon besonders nahe stand. 100 Jahre später wurde unweit vom Ort des Geschehens an der heutigen B6 von Franzosen ein Gedenkstein gesetzt.

Bei der Barbarakapelle ist das Baudatum nicht mehr so genau zu ermitteln. Fachleute folgern aus dem frühgotischen Baustil die Zeit zwischen 1200 und 1250. Sie ist somit ein steinernes Dokument der Frömmigkeit aus der "Gründerzeit" unserer Gemeinde. Es sollen ursprünglich nur 13 Bauernfamilien gewesen sein, die sich hier sonntäglich - damals noch stehend - zum Gottesdienst versammelten. Da mit zunehmender Bevölkerung der Raum sich bald als zu klein erwies, musste jeweils eine ganze Schar "Überzähliger" den Gottesdienst von draußen mit verfolgen. So kam laut Überlieferung der Name "Überschar" zustande als Bezeichnung für das Nutzland zwischen Kapelle und Friedhof - ein Beispiel für die auch sonst immer wieder bezeugte Langlebigkeit von Flurnamen.

Die Verknüpfung der Kapelle mit dem Namen "Barbara" ist ebenfalls interessant. Die heilige Barbara, eine Märtyrerin aus dem 3. Jahrhundert, wurde im Mittelalter als Schutzheilige der Bergleute verehrt. Markersdorf als Ort des Bergbaus? So ganz abwegig ist das nicht.

Immerhin wird in der Überlieferung des 18. Jahrhunderts über den Zeitraum von 3 Jahrzehnten von Schürfversuchen in einem 14 m tiefen Silberstollen berichtet. Die Ergiebigkeit soll aber nicht bedeutend gewesen sein. Schade. Denn welche Gemeinde würde sich nicht über eine derartige Zusatzeinnahmequelle freuen?

Seit dem Hussiteneinfall von 1429 besteht die Babarakapelle nur noch als Ruine. Aber ihre Steine reden noch heute zu uns. Sie erinnern uns an die Vergänglichkeit alles Irdischen, aber auch an das, was in allem Vergehen allein Bestand hat. Es lohnt sich wohl auch für uns heute, über beides immer wieder einmal nachzudenken.

W. Baier, Pf.i.R.