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Sehenswert

Sehenswert

Die Kanonenkugel von 1813 und der Begriff der "Gartennahrung"

Die Inschrift unter der auf dem Titelblatt abgebildeten Kanonenkugel lautet:
Diese Garten Nahrung ist abgebrannt 1813 den 13 ten May auf der Retirade durch eine Französische Granate. Erbauet 1814 Gottfried Ebermann

Wir finden Kanonenkugel und Inschrift am Hause der Familie Pohl. Dieses erreichen wir über den ehemaligen Viebig. Er führte einst von der Kapellen-Ruine aus in Richtung West und ist heute nur noch ein kleiner Feldweg. Natürlich kann man auch den Weg von der Dorfstraße über den Schöps in Richtung Ost wählen (Nähe des neuen Feuerwehrhauses).

Nun zur Geschichte: Französische Truppen versuchten nach den Niederlagen des Jahres 1812, besonders der in Russland, die Macht gegen die Russen und der mit diesen jetzt verbündeten Preußen zurückzugewinnen. Bei diesen Kämpfen wurde auch die in der Inschrift genannte Gärtnerstelle in Brand geschossen. Die Familie Ebermann hatte die Besitzung erst 1799 für 400 Görlitzer Mark gekauft.
Nun zum Begriff der "Gartennahrung". Gartennahrungen waren aus verschiedensten Gründen entstanden. So kauften z.B. manche Grundherren Bauernstellen billig auf, nahmen sich das meiste Land und verkauften die Stellen wieder mit kleineren Landflächen.

Dadurch vergrößerten sie ihren Landbesitz, sicherten sich Abgaben und gleichzeitig Arbeitskräfte.
Vereinzelt waren Gärtnerstellen auch dadurch entstanden, dass Bauern ihre Hufen unter einige Kinder aufgeteilt hatten. Die Bodenzerstückelung wurde besonders nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) deutlich. Wüste Bauernstellen, deren Besitzer umgekommen waren, wurden oft aufgeteilt und in "Gartennahrungen" umgewandelt. Eine weitere Rolle spielten auch die Exulanten. Dies waren aus ihrer böhmischen Heimat wegen des Glaubens vertriebene Protestanten. Für sie wurden in den Dörfern der Oberlausitz meist "Häusler-stellen" geschaffen. Dazu wurde die ehemals allen Bauern dienende Dorfaue von den Grundherren genutzt.

Auch einige neue Gartennahrungen entstanden. Um 1700 besaß Mar-kersdorf 36 Bauerngüter und 26 Gartennahrungen. Zu einer Gartennahrung gehörten etwa 2 bis 4 Hektar Land, während die Häusler meist nur 0,5 Hektar besaßen.

(Text: R. Ottlinger)