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Historisches

Die Ortsgründung von Holtendorf ist im Zuge der deutschen Besiedlung zwischen 1150 und 1200 anzunehmen. 1352 wurde der Ort als Holathindorff erwähnt. Der Ortsname bezieht sich sicher auf den Namen des Locators, der den Bauern diesen schönen Platz am Weißen Schöps zur Siedlung angewiesen hatte. Die Bezeichnung des Ortes wandelte sich 1442 in Holtindorff, 1510 in Hottendorf und schon 1551 in Holtendorf. Der Dorfanlage nach ist auch Holtendorf ein Reihendorf und wurde nach fränkischem Maß vermessen.

Heute bildet Holtendorf den nördlichen Rand der Großgemeinde Markersdorf. Der Ort gehörte schon immer zur Kirchgemeinde Markersdorf, daraus ergab sich auch die gemeinsame Schule in Markersdorf. Bereits 1974 wurde Holtendorf nach Markersdorf eingemeindet.

Durch Holtendorf führt die Bundesstraße 6 - früher "Hohe Straße" oder auch "'via regia" (Königsstraße) genannt, ehemals eine der wichtigsten Handelsstraßen im mittelalterlichen Europa. Sie verlief vor dem im Jahre 1830 vorgenommenen Bau der neuen Straße allerdings etwas näher am Weißen Schöps entlang und führte über den Hoterberg nach Görlitz.

Notzeiten und kriegerischen Ereignisse gab es in Holtendorf - wie in der gesamten Oberlausitz - nicht zu knapp. Besonders hart betroffen wurden die Holtendorfer durch den Dreißigjährigen Krieg, die Franzosenzeit 1812/13 und die beiden Weltkriege des letzten Jahrhunderts.
Nach dem Zweiten Weltkrieg stiegen auch in Holtendorf die Einwohnerzahlen durch die vielen Flüchtlinge, die vor allem aus dem nun polnischen Teil Schlesiens kamen, steil an, gingen dann aber wieder zurück: Während im Jahr 1947 648 Einwohner registriert waren, sank die Zahl auf 577 im Jahr 1966 und auf 420 im Jahr 1990. Zur letztgenannten Zahl ist anzumerken, dass junge Leute hier für sich keine Perspektive mehr sahen und wegzogen, vor allem nach der Grenzöffnung 1989 in die alten Bundesländer.

Durch die stadtnahe Lage zu Görlitz erhielt Holtendorf vor allem in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts verstärkt Einwohnerzuwachs durch Wohnbebauung. Bereits 1991 wurde die Ortsverbindungsstraße Holtendorf - Markersdorf gebaut und die Trinkwasserleitung aus Görlitz herangeführt. Mehrere Eigenheimstandorte und auch eine Tagesklinik entstanden.

Im seit 1994 bestehenden Zweckverband "Gewerbegebiet am Hoterberg", in dem die Stadt Görlitz, die Gemeinde Königshain und die Gemeinde Markersdorf zu vertreten sind, betreiben die Kommunen gemeinsam dieses ca. 35 Hektar große Gewerbegebiet.

1995 feierte das neu erbaute Hotel "Zum Marschall Duroc" - benannt nach dem in Markersdorf gefallenen Vertrauten Napoleons - Erröffnung. Übernachten in Holtendorf kann man auch in Pensionen und bei Zimmervermietern.

Basierend auf einem Text von R. Ottinger
Das handgeschriebene Protokollbuch der Gemeinde Holtendorf aus den Jahren 1954 bis 1959

".. Anbei wurde die Frage eines Wartehäuschens erneut aufgegriffen. Es wurde festgestellt, dass es bisher versäumt wurde, die Genehmigung der Chausseeverwaltung betreffs der Platzfrage einzuholen, dies wird nun baldigst erledigt. Ebenso soll der Bau eines weiteren Wartehäuschens bei Petschke erwogen werden. Der Bürgermeister teilte mit, dass der Direktor der MTS den Bau des Häuschens für das IV. Quartal zugesichert hat.
Es wird bemängelt, dass die Dorfbeleuchtung verschiedentlich zu zeitig brennt. Die Uhr soll entsprechend richtig gestellt werden. Es wird Beschwerde darüber geführt, dass die seit vier Wochen fertiggestellte Dorfbeleuchtung für die Thomas Müntzer Siedlung immer noch nicht in Betrieb genommen ist..."

Das alles und noch viel mehr kann man nachlesen in einem original handgeschriebenen Protokollbuch der Gemeinde Holtendorf aus den Jahren 1954-1959, welches der Ortschaftsrat im Januar aus Privatbesitz erwerben konnte. Für die Jüngeren unter uns und die Zugezogenen ist es sehr interessant, etwas über die täglichen Probleme dieser Zeit zu erfahren. Zeitzeugen und Protagonisten fühlen sich zurückversetzt.

Teilweise noch in Sütterlin-Schrift haben Bruno Walter und Charlotte Müller, später dann Walter und Gerda Wiedmer aufgeschrieben, wer wann wie viel Rinder, Schweine, Milch oder Eier abzugeben hatte. Neben dem Bau des Sportplatzes und der Schaffung des Feuerlöschteiches in der Siedlung wurden auch internationale Themen wie der Assuan-Staudamm behandelt. Es war die Zeit der Zwangskollektivierung in der Landwirtschaft, des Arbeiteraufstandes 1953 und der verordneten Erhöhung der Konsumgüterproduktion. Halbjährlich wurden das Vieh gezählt und die Abrechnungsquoten im Gemeinderat diskutiert. Es war aber auch die Zeit des ersten öffentlichen Fernsehens in der MTS Kantine.

Als Bürgermeister steuerte Erwin Biesert die Gemeinde Holtendorf durch diese aufregende Zeit. Der Einfluss der "Abgeordneten aus Görlitz" wurde von Jahr zu Jahr größer. Bürgermeister Biesert wurde im Dezember 1958 auf Beschluss des Rates des Kreises Görlitz von seiner Funktion entbunden. Den Grund konnten wir in den Protokollen nicht finden.

Noch eins ist sehr bemerkenswert. Die Bevölkerung nahm regen Anteil an den Sitzungen des Gemeinderates Holtendorf, Gästezahlen von bis zu 12 waren keine Seltenheit. Das waren immerhin 3% der Einwohner, umgerechnet auf heutige Zahlen müssten sich monatlich über 20 Bürger auf den Weg machen. Ob es daran lag, dass die Sitzungen "bei Richen" (die noch heute existierende Gaststätte an der B6 - Anmerkung der Redaktion) stattfanden oder ob man sich früher einfach mehr mit seinem Wohnort identifiziert hat, das kann jeder für sich entscheiden.

Wer will, der kann sich das Buch zur nächsten Sitzung des Ortschaftsrates am 14. März 2007 im Vereinshaus ab 19:30 Uhr ansehen. Der Ortschaftsrat hat 100,- € für das Buch bezahlt und sucht noch weitere Teilhaber, die etwas dazugeben möchten. Einige Protokolle sollen eingescannt werden und auf der ortsteileigenen Homepage www.holtendorf.de zur Verfügung gestellt werden. Endgültig, so der Holtendorfer Ortschaftsrat, könnte das Buch im Heimatmuseum Markersdorf stationiert werden.


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