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Nachruf auf Waldemar Fünfstück

Foto: Ernesto Matthes
Foto: Ernesto Matthes

Am 08. Juni 2013 verstarb unser ehemaliger Holtendorfer Mitbürger Waldemar Fünfstück im DRK-Altenpflegeheim in Görlitz im Alter von 108 Jahren und 67 Tagen.

Am 2. April 1905 wurde Waldemar Fünfstück in Markersdorf als Sohn einer sehr armen, aber kinderreichen Familie geboren. Der Vater war Straßenarbeiter, die Mutter Hausfrau.

Er musste sich noch als Kind beim Bauern verdingen und war später Kutscher auf dem Rittergut Noack. Danach begann er eine Lehre als Maurer.

Im Jahre 1931 hat ihn die Liebe nach Holtendorf verschlagen. Er heiratete eine Tochter von Oswald Melchior und übernahm dessen Landwirtschaft im Niederdorf. Selbst nannte er sich, aufgrund der Größe seines Hofes, scherzhaft “der Zwergenbauer”.

Foto: Günter Michel

An vielen Baustellen Spuren hinterlassen

Nach dem 2.Weltkrieg kam er aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zu seiner Frau Hildegard und Tochter Helga zurück. Zeitlebens hat er auf dem Bau gearbeitet.

Foto: Günter MichelBesonders stolz war er darauf, dass er den Schlauchturm der FFw mit gebaut hat. Er gehörte ja schließlich auch zu den Gründungsmitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr e.V. 1934.

Bei so manchem Hausbau in Holtendorf und Umgebung hat er seine Spuren hinterlassen.

Das Bild zeigt ihn 1973 im Alter von 68 Jahren auf der Baustelle von Herrn Günter Michel.
Vor allem die älteren Holtendorfer, aber möglicherweise die Häuslebauer, die bis 2003 ihr Wohnhaus in Holtendorf errichteten, werden sich vielleicht an ihn erinnern. Bei einigen Baustellen hielt er während der Bauphase mit seinem Fahrrad an und plauderte mit dem Bauherren oder den Maurern.

Ich kann mich auch daran erinnern, wie er mir Details vom vorherigen Besitzer erzählte und mich über mein Woher ausfragte. Seine nette, offene und auch liebenswürdige Art war es, die ihn nie aufdringlich erscheinen ließ.

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In der Erntesaison war er früher in der Getreidewirtschaft Schlauroth als Wäger und Pförtner tätig. Auch bei der MTS in Holtendorf hat er sein Einkommen als Pförtner etwas aufgestockt.

Nach fast 50 Ehejahren starb seine Frau. Er wollte nicht allein sein und fand eine neue Lebensgefährtin. Sie starb im Jahr 2000.

Als er 1970 seinen Rentenantrag im Amt abgeben wollte, wurde ihm mitgeteilt, dass der Vater schon selber kommen müsse. Sein Engagement im Sport zahlte sich demzufolge aus. In seinem Leben war er nur zweimal kurz im Krankenhaus und Medikamente kannte er fast ausschließlich nur in der Verpackung.

Radfahrer bis ins hohe Alter

Als Radfahrer mit über 95 Jahren nahm er fast die gesamte Mittelstraße in Anspruch. Wer konnte ihm da aber böse sein, zumal der Verkehr auch aufgrund der noch intakten Richbrücke in der Mittelstraße noch nicht so stark frequentiert war und er stets fröhlich den Gegenverkehr grüßte.

Unser Waldemar hatte ja immer seine weiße Mütze auf dem Kopf, wenn er durch unseren Ort radelte, damit konnte man ihn schon von Weitem erkennen. Stolz berichtete er, dass er als erster Fahrradfahrer durch den Tunnel Königshainer Berge gefahren war.

Was ihn noch auszeichnete: ein Lied über Holtendorf, welches er oft beim Fahrradfahren vor sich her trällerte. Er hat es mir auch vorgesungen. Leider habe ich damals nicht daran gedacht, den Text zu notieren. Schade, denn wir hätten damit ein zusätzliches Andenken an ihn.

Der Name Holtendorf ist schon einmalig in Deutschland, aber dass unser Holtendorfer Waldemar Fünfstück älter als Jopi Heesters werden würde, wer hätte das schon gedacht. In der Sächsischen Zeitung wurde mitgeteilt: Waldemar Fünfstück gehört zu den 20 ältesten Männern in Europa. Sogar im Internet gibt es Informationen über ihn.

Meine Gedanken gehen noch etwas weiter. Wie schön wäre es gewesen, wenn wir gemeinsam mit ihm in einem Altenpflegeheim auf dem ehemaligen Spinngut hätten feiern können oder wenn die nächsten über 100-jährigen Holtendorfer bzw. Markersdorfer im Betreuten Wohnen auf dem Spinngut bei uns ihren Lebensabend verbringen könnten. Dieser Traum darf wenigstens geträumt werden, zumal wir alle nicht jünger werden.

Jürgen Lange

Nach einem Bericht im Schöpsboten, Ausgabe August 2013.

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