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Zwei Tage, die man nicht so schnell vergisst

Flutschaden: Die Rich-Brücke
Flutschaden: Die Rich-Brücke

Am Donnerstag, dem 5. Juli 2012, öffnete der Himmel seine Schleusen, nicht nur über Holtendorf. In kurzer Zeit war der Regenmesser voll. Man konnte die Niederschlagsmenge nur noch erahnen. Im Radio wurde durchgegeben, dass es gefährlich werden kann. Nur in der Ferne heulten die Sirenen. Auch ich fühlte mich in Sicherheit. Der Anruf meiner Nachbarin Frau Garbe ließ mich dann nach dem Rechten sehen. Als ich gegen 21:45 Uhr an der Furchnerbrücke die Wassermassen sah, stieg dort der Pegel immer weiter. Ich wartete auf den Sirenenalarm. Doch nichts geschah. Ich war optimistisch, hatten wir doch in Holtendorf eine neue Pegelmessanlage mit allem drum und dran bekommen.

Warum diese Messanlage am Dorfende errichtet wurde, wird wohl ein Geheimnis unserer Vorfahren bleiben. Jedenfalls benötigte das Wasser vom Kindergarten in Markersdorf mindestens 20 – 30 Minuten, um an die Messstelle zu gelangen.

Eines war wichtiger, das Brett am Wehr musste gezogen werden. Diese Maßnahme entlastete den Bereich am Sonnenhang um ca. sechs bis acht Zentimeter. Vor langer Zeit hatte das Herr Zippel immer rechtzeitig veranlasst. Jetzt stand die FFw in der Pflicht. Mit Anwohnern und einem Kameraden der FFw gelang uns dies nach mehreren Versuchen. Vielen Dank an dieser Stelle.

Ein Anruf bei Herrn Appelt vom Bauhof der Gemeinde ergab, dass er im Hochwassereinsatz in Markersdorf war. Der Wehrleiter wurde telefonisch informiert und alarmierte die Leitstelle. Endlich gingen die Sirenen los. Nun war auch die FFw Holtendorf zusätzlich über Funk informiert und brachte kurz darauf die ersten Sandsäcke mit einem Radlader. Das Holtendorfer Feuerwehrauto konnte, ohne Schaden zu nehmen, nicht durch die überflutete Straße vor der Richbrücke fahren.

Das Wasser ging zurück. Es war, wie bei früheren Hochwassern gewohnt, noch mal alles glimpflich abgegangen. Bei einigen Häusern stand das Wasser ca. zwei Zentimeter unter der Haustürschwelle. Später erfuhr ich, dass auch Familien vor der Raiffeisenbrücke betroffen waren. Diese hatten ebenfalls auf Hilfe gewartet.

Es sollte aber noch schlimmer kommen. Sonnabend früh um 01:00 Uhr ging ich kurz vor dem Schlafengehen auf die Terrasse. Nichts ahnend! Im Licht einer Straßenlaterne der Hohen Straße glitzerte das Wasser auf unserer überschwemmten Ökowiese. Es regnete nicht mehr. Trotzdem machte ich mich auf den Weg zur Fußgängerbrücke und wieder stand dort alles unter Wasser. Ich ging zurück und rief die Leitstelle der Feuerwehr an. Mir wurde mitgeteilt, dass alle Feuerwehren informiert seien.

Na gut, dachte ich, dann werden ja sicher die Sirenen gleich losheulen und die FFw hilft. Doch nichts geschah. Als ich kurz darauf das Haus verließ, war die Einfahrt vor meinem Haus schon nicht mehr passierbar. Ich machte mich auf zu den Nachbarn, die fast ausnahmslos schliefen.

Über Festnetz riefen wir dann nochmal die 112 an und baten um mehrfache Sirenenauslösung, da ja noch Anwohner zu wecken waren. Die einmalige Auslösung der Sirene veranlasste aber kaum jemanden, mal aus dem Fenster zu schauen. Es mussten fast alle persönlich geweckt werden.

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In der Zeitung war vom Landrat zu lesen, dass Pegelmessstände am Weißen Schöps fehlen. Etwas frustriert frage nicht nur ich mich, wie der Pegelstand an der Raiffeisenbrücke ausgewertet und entsprechende Maßnahmen eingeleitet wurden. An beiden Tagen waren nur stündliche Messwerte über Internet abrufbar. Sicher, es konnte keiner ahnen, dass das Wasser so extrem schnell stieg. Für mich ist es absolut unverständlich, dass eine Alarmierung bei Hochwasser erst durch betroffene Bürger ausgelöst werden muss.

Nicht nur die Leitstelle für den Feuerwehreinsatz wusste, dass die Wassermassen von Gersdorf, Markersdorf und Pfaffendorf auch Holtendorf erreichen werden. Eine Vorwarnung hätte also jeder normal denkende Mensch erwartet.

Nun ist es an der Zeit, die vorhandenen Missstände auszuwerten. Dazu gehört als Erstes das Alarmierungssystem. Vor allem im Hochwasserschutz darf es nicht dem Zufall überlassen werden, dass nachts, wenn alles schläft, eine Alarmauslösung erfolgt. Bei extremen Wetterlagen, die in Zukunft immer wiederkehren, muss man auf das Schlimmste vorbereitet sein.

Es sollte eine Möglichkeit geschaffen werden, die Sirene Nähe Sonnenhang manuell auszulösen. Das hohe Gras der Ökowiese, die Bäume im Bachbereich und das Geländer der Furchnerbrücke sind ebenfalls Gründe für den Rückstau. Eine Beräumung der Brücke von Treibgut ist bei Überschwemmung sehr gefährlich und auch Anwohner sollten sich nicht in diese Gefahr begeben!

Nicht nur das Ordnungsamt der Gemeinde ist gefordert, konsequenter gegen die Bürger vorzugehen, die bewusst Grasverschnitt, Äste und Unrat am Schöps lagern, in der Gewissheit, das nächste Hochwasser wird es schon richten. Flussbegehungen am Schöps werden von FFw, Ortschaftsrat, Gemeinde und Flusswirtschaft durchgeführt. Protokolle werden erst nach langer Zeit verfasst, Veränderungen sind kaum spürbar Die Fußgängerbrücke zwischen den Ärztehäusern und der Mittelstraße ist noch immer (Stand Anfang August 2012) gesperrt. Foto vom 7. Juli 2012: BeierMedia.de

Die Fußgängerbrücke zwischen den Ärztehäusern und der Mittelstraße ist noch immer (Stand Anfang August 2012) gesperrt. Foto vom 7. Juli 2012: BeierMedia.de
Durch das Hochwasser sind alle Brücken in Holtendorf in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Fußgängerbrücke an den Ärztehäusern wurde wegen Fundamentfreispülung gesperrt. Die Richbrücke musste ebenfalls für den Fahrzeugverkehr gesperrt werden. Eine notdürftige Reparatur ist nicht möglich.

Eigentlich wollte ich von besseren Dingen, wie die Verbreiterung des Fußgängerweges an den Ärztehäusern, berichten. Mir geht aber das Schicksal der hochwassergeschädigten Einwohner von ganz Markersdorf sehr nahe. Anwohner im oberen Bereich des Weißen Schöps hat es zum Teil noch schlimmer getroffen.

Jürgen Lange

Nach einem Beitrag im Schöpsboten, Ausgabe August 2012.

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