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Lebendige Freundschaft

30 Jahre Partnerschaft zwischen Markersdorf und Erligheim

Gelebte Partnerschaft zeigt sich in vielen persönlichen Begegnungen – wie hier im Jahr 2019 – und in den vielen entstandenen Freundschaften
Gelebte Partnerschaft zeigt sich in vielen persönlichen Begegnungen – wie hier im Jahr 2019 – und in den vielen entstandenen Freundschaften

Foto: Knack

30 Jahre Deutsche Einheit: Für Markersdorf ist das auch das 30-jährige Jubiläum der Partnerschaft mit Erligheim in Schwaben, genauer gesagt im Landkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Die Ludwigsburger Kreiszeitung / Neckar- und Enzbote hat dieser Partnerschaft, die sie weit in die Zukunft weisend als Städtepartnerschaft bezeichnet, eine ganze Seite gewidmet. Christina Kehl ist die Autorin des – online nicht verfügbaren – Hauptartikels und hat der Gemeinde Markersdorf freundlich gestattet, ihren Text auf markersdorf.de zu veröffentlichen.

»Das Beste, was uns passieren konnte«

Von Christina Kehl. Es ist eine abenteuerliche Reise, die der damalige Erligheimer Bürgermeister Albert Leibold am 1. November 1990 mit seiner Familie antritt: Von seinem schwäbischen Heimatort aus macht er sich auf den Weg nach Sachsen, in die ehemalige DDR, die vor nicht einmal einem Monat der Bundesrepublik Deutschland beigetreten ist. Markersdorf ist sein Ziel, eine kleine Gemeinde in der Nähe von Görlitz. Dort wollen die Erligheimer “Aufbauhilfe Ost” leisten, der damalige Ludwigsburger Landrat hatte den Kontakt vermittelt.

Mit Frau und Sohn setzt sich Leibold also ins Auto, um auszuloten, ob Erligheim und Markersdorf überhaupt zusammenpassen. An die 600 Kilometer lange Reise kann er sich heute noch sehr gut erinnern: “Abenteuerlich, ernüchternd und sehr langsam” sei sie gewesen, erzählt Leibold im Gespräch mit unserer Zeitung. Kopfsteinpflaster auf Autobahnen ist der schwäbische Schultes nicht gewohnt und die schlechten Straßenverhältnisse zwingen ihn zu einer ungeplanten Zwischenübernachtung.

Eindrücke bei Erligheimer Wein vertieft

Leibold war bis dato noch nie in Ostdeutschland gewesen, hatte keine privaten Kontakte in die DDR. Markersdorf, sagt er ehrlich, habe er erst einmal im Atlas suchen müssen. Doch der freundliche Empfang in Sachsen tröstet über die Strapazen der Reise hinweg. Schnell stellt sich heraus: Die Chemie zwischen Leibold und seinem Amtskollegen Gerhard Neumann stimmt. Nach einem Ortsrundgang werden die ersten Eindrücke am Abend bei Erligheimer Wein vertieft, und für beide Seiten steht fest, dass diese Partnerschaft Zukunft hat. Dass daraus 30 Jahre später eine tiefe Freundschaft entstanden ist, die weit über die kommunalen Verbindungen hinausgeht, hätte damals aber wohl niemand gedacht.

Zunächst einmal geht es jedoch um praktische Hilfestellung: Die Markersdorfer sind interessiert an Ratschlägen zu Hilfen der Europäischen Union, zum Aufbau einer Gemeindeverwaltung, zur Entwicklung der Landwirtschaft und von Gewerbegebieten. Und die Erligheimer helfen gerne, aber ohne sich aufzudrängen: Sie geben Hilfestellung, bieten Schulungen an und bilden im Erligheimer Rathaus Verwaltungsfachangestellte aus Markersdorf aus. “Ich habe immer versucht, mich zurückzuhalten, um nicht als Besser-Wessi dazustehen. Aber bei Fragen war ich immer gerne bereit, zu helfen”, erinnert sich Albert Leibold.

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Klar ist für den heute 73-Jährigen auch: Der Austausch darf kein “Kommunal-Tourismus” sein; die Bürger sollen im Mittelpunkt dieser Partnerschaft stehen. Und so entwickeln sich auf vielen Ebenen Verbindungen über die politischen Beziehungen hinaus: Vereine, Feuerwehr und die Kirchen stehen bis heute in engem Kontakt. Jährliche Besuche zu privaten oder offiziellen Anlässen sind selbstverständlich. Leibold: “Der Funke zwischen den Menschen ist übergesprungen.” Und
zwar so sehr, dass nicht nur private Freundschaften, sondern auch die eine oder andere Liebesbeziehung entsteht. Offiziell machen die beiden Kommunen die Städtepartnerschaft schließlich am 3. Oktober 2000 in Markersdorf und ein halbes Jahr später in Erligheim. Die Unterschriften auf der Partnerschaftsurkunde besiegeln das, was seit zehn Jahren schon gut funktioniert.

Mittlerweile haben die Bürgermeister zwar gewechselt, an den engen Beziehungen hat sich aber nichts geändert. “Ob Straßen- oder Weinfeste, Fußballturniere, Feuerwehrfest, Jubiläen oder zur Weinlese – der Anlass ist eigentlich egal, wir kommen immer gerne nach Erligheim”, sagt Thomas Knack, der seit 2001 Bürgermeister in Markersdorf ist. “Viele gut gemeinte, freundschaftliche Ratschläge unseres heutigen Ehrenbürgers Albert Leibold haben meine eigene Arbeit und die Entscheidungen der Gemeindevertreter beeinflusst”, erzählt Knack im Gespräch mit unserer Zeitung. Wobei er den einen oder anderen Ratschlag auch als seinen eigenen verkauft habe, gibt der 60-Jährige zu und lacht. Der wichtigste Tipp? “Ein ausgeglichener Haushalt sichert dir dein Überleben.” Die schwäbische Sparsamkeit und der Rat, nicht über die eigenen Verhältnisse zu leben, haben deshalb bis heute Priorität in der sächsischen Gemeinde. “Dass es uns heute so noch gibt, hat auch mit dem positiven Vorleben aus Erligheim zu tun”, sagt Knack, der mittlerweile einer Gemeinde mit sieben Ortsteilen vorsteht. Auch den Europa-Gedanken habe man von den schwäbischen Freunden nähergebracht bekommen. “Das hat uns die Augen geöffnet”, betont der 60-Jährige mit Blick auf die Integration ausländischer Mitbürger. In Zukunft würde man gerne noch das Modell der Bürgerstiftung übernehmen.

Mit dem heutigen Erligheimer Schultes Rainer Schäuffele verstehe er sich prima – “die Chemie stimmt einfach”. Das mag auch daran liegen, dass die Mentalität der Schwaben und Oberlausitzer ziemlich ähnlich ist: Knack spricht von einer ehrlichen Herzlichkeit und von gegenseitiger Achtung. Sein Erligheimer Amtskollege ist stolz darauf, dass die Partnerschaft zwischen beiden Gemeinden noch immer so lebendig ist – auch wenn im Laufe der Zeit einige Kontakte versandet seien, wie es Rainer Schäuffele formuliert. “Es ist wichtig, dass wir innerhalb von Deutschland solche Freundschaften pflegen und aus der Geschichte lernen. Ich wünsche mir, dass die Erligheimer auch in 30 Jahren noch wissen, wo Markersdorf liegt.”

Für Albert Leibold ist die Städtepartnerschaft “das Beste, was uns passieren konnte. Es hat sich wirklich gelohnt.” Auch für Erligheim: Zu sehen, wie in Markersdorf aus dem Nichts eine Verwaltung und ein Vereinsleben geschaffen wurden, sei beeindruckend gewesen. Und auch das Verständnis für die ostdeutschen Bürger sei in Erligheim durch die Verbindung nach Sachsen vielleicht größer als andernorts.

Kurzportrait Erligheim

Von Thomas Beier. Zieht man einen nach links gewölbten Borgen zwischen Heilbronn im Norden und Ludwigsburg im Süden, dann liegt Erligheim mit je rund 16 Kilometern Entfernung ziemlich genau in der Mitte.

Wer Erligheim für einen Urlaub auswählt, hat es – um noch einige bekannte Städte zu erwähnen – knapp 40 Autokilometer bis nach Pforzheim, mit ganz grob 70 Kilometern sind auch Heidelberg, Speyer oder Karlsruhe für einen Tagesausflug gut erreichbar. Aber wer die fast 600 Kilometer, die ab Markersdorf vor einem liegen, hinter sich hat, will sein Auto vielleicht erst einmal stehenlassen und die Gemeinde mit ihren Sehenswürdigkeiten wie dem “Grünen Baum” und ihrer Umgebung zu Fuß erkunden. Ob nun die Erligheimer Weinkanzel auf dem Kirschberg oder überhaupt der von den Höhenzügen des Strombergs und des Heuchelbergs geprägte Naturpark: Zum “mal Abschalten” in der Natur ist man hier richtig.

Und man fühlt sich hier wohl, ist Erligheim mit seinen an die 2.800 Einwohnern doch in vielerlei Hinsicht Markersdorf ähnlich: Ländlich geprägt, Kita, Grundschule, Gewerbegebiet mit vielseitigem Mittelstand – wenn in Markersdorf nur eines nicht fehlen würde: der Weinbau und die damit verbundene Kultur. Schon seit mehr als 700 Jahren wird im 793 erstmals erwähnten Erligheim Wein angebaut, heute großenteils Portugieser, Schwarzriesling und Lemberger. Dem auf den Geschmack gekommenen Markersdorfer Weinfreund bleibt nur, velleicht bei einem der Wein-Direktvermarkter einen Vorrat, der bis zur nächsten Erligheim-Reise ausreicht, mitzunehmen.

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