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Strukturwandel in der Oberlausitz

Auf eigene Rechnung von zu Hause arbeiten

Strukturwandel in der Oberlausitz: Das bedeutet vor allem, dass in braunkohleabhängigen Industriezweigen und bei den zugehörigen Dienstleistern Arbeitsplätze wegfallen, wenn nicht neue Tätigkeitsfelder gefunden werden. Auch neue Unternehmen sollen Beschäftigung sichern. Allerdings sollten Arbeitnehmer – vor allem ältere – einen “Plan B” haben, indem sie überlegen, ob sie nicht auch auf eigene Rechnung arbeiten können.

Ältere als motivierte Jungunternehmer

Dass es oft sind es Arbeitnehmer jenseits der Fünfzig sind, die über eine berufliche Selbstständigkeit nachdenken, wird nicht zum ersten Mal thematisiert. Sie wagen den Sprung in die Selbstständigkeit nicht etwa nur wegen eines drohenden Arbeitsplatzverlustes, sondern vor allem, weil sie sich auf Arbeit nicht mehr wohlfühlen. Anlass ist oft ein neuer, noch junger Vorgesetzter, der eine leistungsorientierte, jedoch eher distanzierte Mitarbeiterführung praktiziert. Aus Sicht der Mitarbeiter fehlt dann, was man gern “vertrauensvolle Zusammenarbeit” nennt und Erfahrungen werden nicht anerkannt. Der tägliche Frust kann so groß werfen, dass man lieber das Risiko der Selbstständigkeit in Kauf nimmt.

“Gut Ding will Weile haben”, weiß der Volksmund, weshalb es kein Fehler ist, mit dem Gedanken an ein eigenes Unternehmen das ganze Berufsleben lang zu spielen. So sammelt man fast automatisch Informationen und kann Chancen für einen Start erkennen und ist dann auch mental vorbereitet.

Wer sich unsicher ist, kann sich von einem Beratungsunternehmen helfen lassen. “Unternehmensberatungen für Existenzgründer können finanziell stark bezuschusst werden, in unserer Region mit bis zu 80 Prozent der Kosten”, so der Unternehmensberater Hans-Ullrich Hinner vom EMS-Beraterteam Hinner in Deutsch-Paulsdorf.

Besondere Anforderungen an das Gründungskonzept

Allerdings bringt eine Existenzgründung in den letzten beiden Jahrzehnten vor der Rente Besonderheiten mit sich, vor allem: Es darf möglichst nichts schiefgehen. Wer in jungen Jahren eine Pleite hinlegt, gewinnt an Erfahrung und macht es beim nächsten Mal besser, wer älter ist, hat dafür keine Zeit mehr.

Wer sich ständig neuen Herausforderungen stellt und geistig flexibel bleibt, für den spielt das Lebensalter keine Rolle

Ratsam ist es in vielen Fällen, seine Selbständigkeit erst einmal im Nebenerwerb auszuprobieren, bevor man sich ganz auf das Abenteuer einlässt. Ja, aber auf welchem Gebiet kann man sich möglichst ohne Konkurrenz selbständig machen? Die Antwort ist eindeutig: Auf keinem. Selbst wer die berühmte “Marktlücke” findet (also keine Wettbewerber, aber dafür Kunden hat), kann sich sicher sein, dass die Konkurrenz nicht schläft und die scheinbare “Marktlücke” ebenfalls besetzen wird. Deshalb ist die Suche nach einer Marktlücke nicht zielführend, 

Besser ist es zu schauen, wo es viele Wettbewerber und viele Kunden gibt, denn es ist in der Marktwirtschaft einfacher, dem Wettbewerb Kunden abzunehmen als sich selbst welche völlig neu aufzubauen. Deshalb sollte man am Anfang auch auf Angebote setzen, die den Kunden bereits vertraut sind – und nicht etwa auf Neuheiten. Das Sprichwort “Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht” hat seinen tiefen Sinn, anders gesagt: Für ein neuartiges Produkt, dass der Kunde noch gar nicht kennt, kann er logischerweise keinen Bedarf entwickeln. Man müsste es ihm erst erklären, doch wer hört sich schon Erklärungen über etwas an, was man nicht kennt und damit scheinbar auch nicht braucht?

Der zweite wichtige Grundsatz: Man sollte sein Geschäft auf einem Gebiet aufbauen, auf dem man Wissen und Erfahrung hat. So kann man sich am einfachsten profilieren und das Vertrauen der Kunden gewinnen. Und noch etwas: Am Anfang sollte man größere Investitionen – wo immer es geht – vermeiden, denn wer viel investiert hat noch lange keine Kunden. Wer klein anfängt, lernt hingegen mit jedem Kunden dazu und kann später viel zielgerichteter investieren. Auch sollte man mit regelmäßigen Verbindlichkeiten zurückhaltend umgehen, sie führen zu sicheren Kosten bei unsicheren Einnahmen.

Risikoarme Geschäftsideen

Risikoarme Geschäftsideen sind nicht solche, die den schnellen und großen Erfolg versprechen, sondern jene, mit denen man seine wirtschaftliche und damit private Existenz nicht gefährdet. Für gestandene Leute sind es oft beratende Tätigkeiten, die kaum Investitionen erfordern, es aber erlauben, Lebenserfahrung einzubringen. Wer Spaß am Verkaufen hat, kann vielleicht mit einer kleinen Handelsvertretung punkten. Viele Kunden vertrauen lieber erfahrenen Verkäufern als jungen Leuten, deren frisch geschulte Verkaufsmethoden oft allzu durchsichtig sind. 

Andere wiederum verbinden ihr Hobby mit der Selbständigkeit. Ältere können oft gut erklären, weil sie viel Hintergrundwissen haben. Wer dazu noch mit der Videokamera umgehen kann, hat durchaus eine Chance, bei Firmen den Auftrag für ein Erklärvideo für das Unternehmen zu erhalten. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind endlos, von der Produktvorführung über dokumentierte Tests und Verbraucherinterviews bis hin zu Trickfilmen – Hauptsache, man kann auch komplizierte Sachverhalte in einfache Worte packen und auf den Punkt bringen. Der Trend zu Erklärvideos wird in unserer schnellebigen Zeit noch verstärkt, weil niemand mehr die Zeit (und manchmal auch die Fähigkeit) hat, komplizierte Bedienungs- oder Wartungsanleitungen zu lesen und zu verstehen.

Ein weiteres Feld sind haushaltsnahe Dienstleistungen. Freilich kann man einwenden, dass es bereit viele Hausmeister- und Reinigungsdienste gibt. Doch der Bedarf steigt. Wer über so ein Geschäft nachdenkt sollte überlegen, nach welchen Kriterien die Nachfrager ihre Dienstleister auswählen. Aber aufgepasst: Oft ist die angebotene Kernleistung gar nicht entscheidend! Wer beispielsweise für seine Kunden den Rasen mähen und ihm in Haus und Garten zur Hand gehen möchte, sollte seine Zielgruppe genauer anschauen: Bei jungen Familien könnte der Anbieter den Auftrag vielleicht nur deshalb erhalten, weil er auch ein Stück weit die Kinderbetreuung übernimmt, bei Senioren hingegen, weil er sich auch als guter Gesellschafter erweist. Anders gesagt: Dass die Kernleistung ordentlich erbracht wird, ist selbstverständlich, interessanter als die Wettbewerber macht man sich beim Kunden durch Zusatzleistungen.

Wichtig: der “zwingende Nutzen” des Anbieters

Im Marketing spricht man im Idealfall vom “zwingenden Nutzen”. Der tritt dann ein, wenn ein Kunde auf gar keinen Fall auf “seinen” Anbieter verzichten möchte; gemeint ist aber nicht, den Kunden beispielsweise durch einen Vertrag oder ein technisches System in eine Abhängigkeit zu zwingen. Die treuesten Kunden erhält man oft dadurch, dass man für sie mitdenkt und ihnen auch in schwierigen Situationen zu Seite steht.

Thomas Beier

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