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Reden und zuhören

Bürgermeister November 2021

Den Blick auf die Pfaffendorfer Feldhäuser vor der Landeskrone hat Joachim Lehmann aus Jauernick-Buschbach am 28. Oktober 2021 eingefangen
Den Blick auf die Pfaffendorfer Feldhäuser vor der Landeskrone hat Joachim Lehmann aus Jauernick-Buschbach am 28. Oktober 2021 eingefangen

Foto: Joachim Lehmann

Liebe Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Markersdorf!

Gute Politik bedeutet: Ausnahmsweise mal nicht zu reden, sondern zuzuhören und vor allem verstehen wollen.

„Business – und damit ist nicht nur das kommerzielle Geschäftsgeschehen gemeint, sondern auch Bereiche wie etwa Erziehung, Regierung und Medizin – ist Teamarbeit. Und zum Gewinnen braucht man immer ein Team!

(Teamgeist zu praktizieren, das ist gar nicht so einfach. Das heißt delegieren können, das heißt Vertrauen in andere setzen, das heißt, unterschiedliche Charaktere zu dulden. Widerspruch und abweichende Meinungen in die Entscheidungsfindung einzubeziehen, überhaupt sich Zeit zum Zuhören zu nehmen – das ist vielleicht das Schwerste für einen Chef. Denn schließlich ist Zeit sein kostbarstes Element. Nur seins? Natürlich auch Ihres, meine Damen und Herren, weshalb ich zum Ende komme. Das Ende einer Rede am Ende eines Jahres – schon gar eines solchen Jahres – muss vor allem ein Wort enthalten: "danke!")“

- Andrew S. Grove (*1936), amerik. Topmanager

Das Thema, welches ich heute aufgreifen möchte, ist sehr heikel. In allen Medien hört man immer wieder von mangelnder Bürgerbeteiligung und gleichzeitig von Bevormundung durch Regierung und Politik. Ich glaube bei diesem Thema kann man sich in der heutigen Zeit so schnell in die Nesseln setzen, dass man das Ansprechen lieber vermeiden möchte. Aber die aktuelle Situation in Deutschland und eigentlich in der ganzen Welt zeigt, wenn man nicht miteinander redet, erreicht man gar nichts, oder nur das Gegenteil. Auch meine Erfahrung aus nunmehr 20 Jahre Bürgermeistertätigkeit hat mich gelehrt, dass die größten Probleme immer dann aufgetreten sind, wenn man die Beteiligten nicht an einen Tisch bekommt.

In der täglichen Arbeit der Gemeindeverwaltung werden wir ständig mit Fragen nach Bauflächen, Baugenehmigungen, öffentlichen Widmungen von Straßen und Wegen, Nutzung von öffentlichen Räumen, Betreuungsverträgen in den vier Kindereinrichtungen, Steuerbescheiden, Beschwerden beim Ordnungsamt, Anträgen auf Ausweise und Reisepässe, Fragen zur Straßenbeleuchtung und vielem mehr konfrontiert.

Können wir die Anliegen schnell erledigen, ist alles in Ordnung. Brauchen wir etwas Zeit, weil wir uns, als relativ kleine Gemeinde, mit dem Thema auch nicht täglich beschäftigen, wird der Unmut schnell größer. Oft ist es nicht mehr selbstverständlich, dass wir uns gegenseitig zuhören und nach einer gemeinsamen Lösung suchen. Dabei wäre gerade das eine Voraussetzung für gegenseitige Achtung und Respekt. Und diese Fragen ziehen sich durch alle Bereiche unseres gesellschaftlichen Lebens. Das Thema der Fahrplanänderung für den ÖPNV hat mir wieder einmal deutlich gemacht, wie “erwünscht” die öffentliche Meinung bei den Entscheidungsträgern ist. Und ich bin erfreut, dass sich die Bürger in dieser Frage auf einer sachlichen Ebene zusammengeschlossen haben.

Auch auf Parteienebene redet man ständig von Basisdemokratie, meist wird aber vergessen, die Basis einzubeziehen oder man ignoriert deren Meinung! Wissen diejenigen, die durch ihre Funktion und die damit verbundene Stellung Entscheidungen treffen wirklich noch, worum es der “Normalbevölkerung” geht? Im Gegenzug muss jedoch auch die Frage gestattet sein, ob unsere Bevölkerung den gesellschaftlichen Wohlstand und die soziale Absicherung in unserem Land noch real einschätzen kann.
Es ist logisch, dass man immer nach “Mehr” strebt. Das ist nun einmal die Triebfeder einer Gesellschaft. Aber wäre es nicht auch einmal angebracht Innezuhalten und einfach auch mal etwas zufriedener und dankbarer zu sein?

Leider ist das alles nicht nur ein rein deutsches Problem. Ich war vor kurzem in unserer tschechischen Partnergemeinde und es hat mich erschreckt, dass der Bürgermeister dort fast genau dieselben Gedanken und relativ wenig Lösungen hat.

Die aktuelle Situation ist nicht einfach und die ganze Pandemie, deren Einschränkungen und Auswirkungen machen es nicht besser. Aber vielleicht ist es gerade darum wichtig miteinander zu reden und sich gegenseitig zuzuhören.

Ich wünsche allen einen schönen Herbst und viele gemeinsame Erlebnisse in der Natur mit Freunden und Familie.

Ihr Bürgermeister Thomas Knack

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