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Gesundheit

Radioaktivität – ein Risiko im Alltag?

Bei von Radon belasteten Gebäude kann ein Langzeit-Monitoring helfen, geeignete Gegenmaßnahmen auszuwählen
Bei von Radon belasteten Gebäude kann ein Langzeit-Monitoring helfen, geeignete Gegenmaßnahmen auszuwählen

Symbolfoto: TakeActionOnRadon, Pixabay License (Bild bearbeitet)

Kaum eine Gesundheitsgefahr wird so sehr unterschätzt, zuweilen jedoch auch überschätzt wie die Radioaktivität. Es gibt unterschiedliche natürliche und künstliche Quellen für radioaktive Strahlung. Was man darüber wissen sollte und was einfach nur interessant ist, zu wissen.

Eine Vorgeschichte in vier Episoden

Episode 1: Geboren wurde ich in der Frauenklinik Schlema. Das ist mitten in einem der früheren Uranabbaugebiete der damaligen Sowjetisch-Deutschen Aktiengesellschaft Wismut. Ein geschundener Ort, in den wilden Zeiten Ende der 1940er Jahre wurden hier Förderschächte mitten auf den Straßen der Stadt geteuft und die uranhaltige Pechblende wurde gefördert – hier trifft es wirklich zu – auf Teufel komm raus. Unweit der Frauenklinik befand sich die Erzaufbereitung, wo mit Säure das Uran aus der Pechblende gelöst und zum Yellow Cake verarbeitet wurde. Bis zum Ortsrand und in den Ort hinein reichten die riesigen Abraumhalden des Uranbergbaus, die erst nach 1990 binnen weniger Jahre abgedeckt und renaturiert wurden.

Episode 2: Als Kinder kletterten wir an den steilen Abraumhalden im Schwarzwassertal, die damals noch nicht von Mineraliensammlern “abgegrast” waren, und schleppten nach Hause, was auffällig war. Mein Vater war Wismut-Bergmann und Mineraloge und so lernte ich, Mineralien zu bestimmen und etwa Flussspat von radioaktiv verfärbtem Quarz zu unterscheiden. Später suchten wir die Spuren des Altbergbaus auf, wo etwa Kupfer-Uran-Glimmer, der Torbenit, zu finden war. Torbenit enthält bis zu 48 Prozent Uran und ist somit stark radioaktiv, dennoch wurde das Mineral, das intensiv grün schimmernde Kristalle bildet, in den 1990er Jahren ohne jeden Warnhinweis etwa auf Weihnachtsmärkten verkauft.

Episode 3: Während meiner Schulzeit arbeitete eine nahe Verwandte im Zahnröntgen einer zahnärztlichen Poliklinik, als angelernte Kraft. Dort lernte ich, wie man die Filme an die Zähne presst, die Strahlenkanone ausrichtet, die Strahlungsdosis abschätzt und schließlich die Filme entwickelt. Der Strahlenschutz für den Patienten beschränkte sich auf eine Bleischürze, während die Mitarbeiterin zum Auslösen der Röntgenaufnahme den Raum verließ und sich hinter einen Mauervorsprung begab. Dazu muss man wissen, dass eine einzige Zahnröntgenaufnahme damals ungefähr die 400fache Strahlendosis einer Röntgenaufnahme des Brustkorbes bedeutete.

Episode 4: Als Student fuhr ich via Jugendtourist im Mai 1986 nach Kiew, ungefähr drei Wochen nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Schwangere und Kinder gab es in der Stadt nicht mehr, die Fassaden der Häuser wurden abgewaschen, immer wieder die Radioaktivität in einem Radkasten des Busses gemessen und – aus heutiger Sicht unbegreiflich – wir machten einen Ausflug bis zur rund 100 Kilometer entfernten Sperrzone. Als Studenten wohnten wir in einem der besten Hotels der Stadt, denn bis auf eine Gruppe aus Österreich gab es in diesem Haus keine Touristen mehr.

Gesund zu bleiben, dafür kann man viel tun, aber manchmal sage ich mir auch: Einfach nur Glück gehabt..

Radon, die unspürbare Gefahr

Im Wismut-Bergbau war – wie man heute weiß – nicht etwa die im Volksmund Staublunge genannte Silikose, sondern das radioaktive Edelgas Radon die eigentliche große Gesundheitsgefahr. Es entsteht, vereinfacht gesagt, wenn Uran erst zu Radium und dieses dann zu Radon zerfällt – ein natürlicher Prozess, der überall auftritt, nur ist mancherorts die Radonkonzentration so stark, dass die gesundheitlichen Risiken vor allem für Lungenkrebs deutlich steigen.

Radon zerfällt zu radioaktivem Polonium, Wismut und Blei. Wird Radon eingeatmet, sorgen diese Folgeprodukte im Zusammenhang mit der ungünstigen Halbwertszeit des Radons von 3,8 Tagen auf Dauer für Lungenkrebs, unter Bergleuten seit dem 16. Jahrhundert – erstmals beschrieben von Paracelsus – auch Schneeberger Krankheit genannt. Fast jeder zwanzigste Wismut-Bergmann starb daran. Ärztlicherseits wurde den Wismut-Bergleuten geraten, durch Rauchen die Strahlung in der Lunge zu bremsen und mit dem akzisefreien Bergarbeiterschnaps – spöttisch genannt Kumpeltod – die Speiseröhre von Staub zu befreien. 

Radon in Markersdorf

Radon stellt auch in der Gegenwart ein deutliches Gesundheitsrisiko dar; noch immer sollen rund fünf Prozent der Lungenkrebsfälle auf das Gas zurückzuführen sein. Dabei geht es um jenes Radon, das unbemerkt in Keller- und Erdgeschossräume aufsteigt. Hintergrund: Uran und Radium bleiben in Mineralien gebunden, nur eben das gasförmige Radon wird freigesetzt, steigt auf und kann so in zu hoher Konzentration in die Atemluft gelangen.

Um das Gesundheitsrisiko besser einschätzen zu können ist Sachsen das bisher einzige Bundesland, das die Radonbelastung kartiert hat. Demzufolge sind die Markersdorfer Ortschaften eher gering belastet. Nur in weniger als zehn Prozent der Gebäude wird hier in Aufenthaltsräumen im Erdgeschoss der Referenzwert der Europäischen Union von 300 Bequerel je Quadratmeter überschritten, wie eine vom Mitteldeutschen Rundfunk veröffentlichte Karte zeigt.

Heute müssen Neubauten generell weitgehend sicher vor Radon errichtet werden. Diese Vorgabe aus dem § 123 des Strahlenschutzgesetzes wird erfüllt, wenn die anerkannten Regeln zum Feuchteschutz eingehalten werden. Weiterführende Maßnahmen sind in den ausgewiesenen Radonvorsorgegebieten Pflicht, außerdem obliegen Arbeitgebern bestimmte Pflichten

Radioaktivität in der modernen Medizin

Insgesamt wird die Strahlenbelastung heute viel ernster genommen also noch vor wenigen Jahrzehnten. Wer etwa geröntgt werden muss, weil das unbedenkliche Ultraschallverfahren nicht aussagekräftig genug ist, erhält einen Eintrag in seine Röntgenpass, der so Auskunft über die gesamte persönliche Strahlenbelastung gibt.

Zu einer deutlich höheren Strahlenbelastung als beim Röntgen kommt es gewöhnlich in der Strahlentherapie und in der Nuklearmedizin. Hier wird der Arzt stets das Verhältnis von Nutzen und Schaden abwägen, wenn es etwa um die Krebsbekämpfung oder die Linderung von Schmerzen geht.

Fachkunde ist Vorschrift

Wer heute in der Human- oder in der Veterinärmedizin oder als Techniker mit Strahlenquellen arbeitet, muss an einem behördlich anerkannten Strahlenschutzkurs teilnehmen – Medizinisch-technische Radiologieassistenten (MtRA) etwa grundsätzlich alle fünf Jahre, während Ärzte Weiterbildungspunkte – sogenannte CME-Punkte für die kontinuierliche medizinische Weiterbildung – gutgeschrieben bekommen.

Auch OP-Personal und Medizinische Fachangestellte (MFA) benötigen für bestimmte Tätigkeiten Fachkundenachweise und regelmäßige Aktualisierungen. Ebenso sind im zahnmedizinischen Bereich, in der Tiermedizin und für Techniker Fachkundenachweise und in Abständen Aktualisierungen vorgeschrieben.

Resümee

In der modernen Medizin wird versucht, die Strahlenbelastung für Patienten und Personal möglichst gering zu halten; im Zweifel hilft das Gespräch mit dem Arzt weiter. Was die natürliche Radioaktivität betrifft, sollten Sammler bei bestimmten Mineralien vorsichtig sein und sich kundig machen. Wer Sorge hat, in seinem Haus – insbesondere bei älteren Gebäuden – könnte die Radonbelastung zu hoch sein, sollte eine Messung veranlassen und gegebenfalls Gegenmaßnahmen einleiten.

Tipp:
In Sachsen gibt es eine Radonberatungsstelle, die über Radon, seine gesundheitliche Wirkung, rechtliche Vorgaben, Messmöglichkeiten und Schutzmaßnahmen informiert.

Ein Beitrag von Thomas Beier für die Redaktion markersdorf.de

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