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Wissenschaft

Esoterik als Helfer in der Krise?

Die Pusteblume, ein Symbol für Vollendung, Vergänglichkeit und neues Leben
Die Pusteblume, ein Symbol für Vollendung, Vergänglichkeit und neues Leben

Foto: Silvia, Pixabay License

Besonders dann, wenn die Zeiten schwierig werden, suchen viele Menschen nach Antworten auf drängende Fragen im Bereich der Esoterik. Dabei ist es verständlich, dass in Zeiten der Veränderung stärker gefragt wird, was die Zukunft bringen wird, damit man im hier und heute möglichst die richtigen Entscheidungen trifft oder etwa wie im Trauerfall innerlich zur Ruhe kommt.

Sich dem Begriff der Esoterik zu widmen, das hieße, Bücher zu füllen. Doch die sind schon geschrieben und einfacher ist es, beispielsweise einmal in der Wikipedia, der freien Online Enzyklopädie, nach diesem Stichwort zu suchen und nachzuschauen.

Allerdings sollte man den beiden populären Interpretationen des Begriffs Esoterik vorsichtig umgehen: Es ist weder komplette Spinnerei noch ein Geheimwissen, zu dem der Zugang nur wenigen vorbehalten ist. Ohne Vorurteile hat sich das funk-Netzwerk, das Inhalte für 14- bis 29-Jährige für ARD und ZDF produziert, der Frage genähert, ob etwa ein Medium, das angeblich den Kontakt ins Jenseits herstellt, eine Hilfe in der Trauer sein kann; Fazit in Video-Minute 31:47: “Eine sehr sehr schöne Erfahrung.” 

Wenn Wissenschaft den Beweis schuldig bleibt

Wie nah sich Esoterik und exakte Wissenschaften kommen, zeigt etwa die Goldbachsche Vermutung – ein einfach formulierbarer mathematischer Zusammenhang, den jeder erfassen kann, der weiß, was eine Primzahl ist, und der dennoch bis heute weder widerlegt noch bewiesen ist. Wer ein wenig in die Höhere Mathematik eingestiegen ist, weiß, dass man hier auch auf philosophische Fragen stößt.

Festgehalten hat der Mathematiker Christian Goldbach (geboren 1690 in Königsberg, gestorben 1764 in Moskau) seine Vermutungen im Jahr 1742 in einem Brief an den berühmten  Schweizer Mathematiker Leonhard Euler (geboren 1707 in Basel, verstorben 1783 in Sankt Petersburg), der heute vor allem durch die nach ihm benannte Eulersche Zahl bekannt ist.

Die Starke Goldbachsche Vermutung

Die sogenannte Starke Goldbachsche Vermutung besagt: Jede gerade Zahl, die größer als 2 ist, entspricht der Summe zweier Primzahlen – und die müssen nicht einmal eindeutig sein. So lässt sich beispielsweise die 20 als Summe aus 13 plus 7 ebenso darstellen wie jene aus 17 plus drei. Es ist ein schönes Spiel, das für die unterschiedlichsten Zahlen auszuprobieren, Fakt aber ist: Die Vermutung ist bis heute weder widerlegt noch bewiesen.

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Anders übrigens die Schwache Goldbachsche Vermutung. Die Tatsache, jede ungerade Zahl, die größer als 5 ist, lasse sich als Summe dreier Primzahlen darstellen, wurde 2013 vom peruanischen Mathematiker Harald Helfgott (geb. 1977 in Lima) erbracht, ist aber wissenschaftlich noch nicht ganz vollständig überprüft.

Wissenschaftliche Arbeitsweise

Zur wissenschaftlichen Arbeitsweise gehört, Annahmen und Vermutungen als solche zu benennen und zu begründen. Außerdem müssen neue Erkenntnisse einer Peer-Review unterzogen werden, bevor sie publiziert werden. Bedenklich hingegen wird es, wenn in der Esoterik lediglich Gedankenkonstrukte oder behauptete Phänomene als Wissenschaft bezeichnet werden, wie es etwa bei den okkulten Wissenschaften und der Astrologie der Fall ist. 

Zugang ermöglichen

Und dennoch haben bestimmte Vorgehensweisen, wenn sie mit Hintergrundwissen und Verantwortung genutzt werden, durchaus ihre Berechtigung. Als Beispiel mag das Wahrsagen mit Hilfe der Tarot-Karten dienen. Wissenschaftlich gesehen ist die Vorhersage künftiger Ereignisse damit nicht möglich, aber eine solche Sitzung kann durchaus helfen, besseren Zugang zur eigenen Lebenssituation und zu anstehenden Entscheidungen zu finden. Vor diesem Hintergrund werden auch in der Wirtschaft bei unter komplexen Bedingungen anstehenden Entscheidungen sogenannte Zugangskarten verwendet, damit sich ein Entscheidungsgremium einem Sachverhalt mental besser nähern kann.

Glauben und Wissen

In der Umgangssprache wird der Beriff Esoterik anders verwendet als in der Religions- und der Geschichtswissenschaft: Während der eine umgangssprachlich etwas als esoterisch bezeichnet, um es abzuwerten, ist das Esoterische für den anderen gerade deshalb spannend und exklusiv, weil es von vielen abgelehnt wird. Ein Aspekt ist jedoch interessant: Während ein Forscher, der etwa gläubiger Christ ist, darin keinen Widerspruch zur Wissenschaft sieht, stellen Esoteriker in ihrem Glauben, Zugang zu einem für andere verborgenen Wissen zu haben, die anerkannte Wissenschaft gern in Frage.

Dass der Mensch mit dem Widerspruch zwischen gesicherter Erkenntnis und Glauben leben kann, zeigt der Alltag vieler immer wieder: Sie wissen zwar, dass etwas nicht gut oder richtig ist, glauben aber, man könne es trotzdem tun und es werde schon gutgehen. Wer also glaubt, durch die Beschäftigung mit esoterischen Fragen sich selbst und vielleicht auch andere voranzubringen, kann eine Medium Ausbildung absolvieren – nur die Prinzipien von Forschung und Wissenschaft bleiben dann eben außen vor. Wie es funktioniert und wirkt, das zeigt der eingangs unter “Kontakt ins Jenseits” verlinkte Beitrag aus der ARD Mediathek.

Ein Beitrag der Redaktion markersdorf.de.

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