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Die ungleiche Zwillingstaufe

Zu den erfreulichen Tendenzen unserer Zeit gehört das wachsende gegenseitige Verständnis der beiden großen christlichen Konfessionen, der evangelischen und katholischen Kirche. Keine Verketzerungen mehr wie in früheren Jahrhunderten, stattdessen das Bemühen, den anderen von seinen anderen Voraussetzungen her zu verstehen und ernst zu nehmen. Dies ist vor unser aller Augen und wir freuen uns darüber.

Weniger bekannt dürfte sein, dass schon vor vier Jahrhunderten Jauernicker Geistliche Vorreiter dieser Entwicklung waren. In einer Zeit, in der anderswo noch die Scheiterhaufen brannten und unselige Glaubenskriege das Land verwüsteten, wurde hier bereits das praktiziert, was man heute ” ökumenische Solidarität” nennt. So kam es nicht selten vor, dass in den nach der Reformation evangelisch gewordenen Gemeinden rings um die Landeskrone, wenn kein evangelischer Prediger am Ort war, der katholische Pfarrer kollegial einsprang und die Jugend unterwies – nach dem Lutherischen Katechismus!

Superintendent Käuffer aus Reichenbach wusste 1826 von einem katholischen Kantor Heink aus Jauernick anerkennend zu berichten, dass “er die evangelischen Kinder in ihrer Religion besser unterrichtet habe als manche evangelischen Kantoren in der Umgebung”. Auch Gottesdienste und Amtshandlungen wurden von katholischen Geistlichen je nach Bedarf “in beiderlei Gestalt” gehalten.

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Aufsehen erregte eine durch Pfarrer Kretschmar (1809-1839) durchgeführte Zwillingstaufe. Im Taufbuch steht: “Ich habe den ältesten der Zwillinge cum unctionibus (mit heiligen Salbungen) nach dem katholischen Glauben des Vaters, den zweiten sine unctionibus (ohne heilige Salbungen) nach dem Glauben der Mutter getauft…”. Ich weiß nicht, wie die gestrengen Oberen des Pfarrers damals diese originelle Mischhandlung eingeschätzt haben. Als faulen Kompromiss als einen Akt mangelnder Prinzipienfestigkeit? Die Jauernicker Chronik schweigt sich darüber aus. 

Mir aber will es scheinen, dass bei dieser Handlung ein hohes Maß christlicher Freiheit und seelsorgerlichen Fingerspitzengefühls Pate gestanden hat und das Wissen um die große Gabe der Taufe. Sie ist zu kostbar, um – von wem auch immer – kleinlich zerredet zu werden. Sie verbindet über Konfessionsgrenzen hinweg und schafft Raum für gegenseitige Achtung und Toleranz. Ein Beispiel, das auch heute seine Nachfolger sucht, zumindest aber Anlass zu neuem Nachdenken geben sollte – gerade im Zeitalter eines neu erwachten ökumenischen Bewusstseins.

W. Baier, Pf.i.R.

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