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Corona-Lockdown

Martinsgans hat Verspätung

Rätselraten unter den Gänsen: Gibt es ein Leben nach Weihnachten?
Rätselraten unter den Gänsen: Gibt es ein Leben nach Weihnachten?

Foto: Jeyaratnam Caniceus, Pixabay License

Gastronomen, die für das traditionelle Martinsgans-Essen im November Werbung gemacht hatten, haben angesichts der ab dem 2. November 2020 wegen der hohen Infektionszahlen mit dem Coronvirus SARS-CoV-2 verordneten Schließung nun doppelt Grund, sich zu ärgern: Zum umsonst ausgegebenen Werbegeld kommt auch noch der Umsatzausfall hinzu.

Das sollten jene, die nun auf ihr novemberliches Martinsgans-Essen in der Gaststätte verzichten müssen, nicht schulterzuckend hinnehmen: Weil in der Gastronomie auch bei einer Schließung wesentliche Ausgaben weiterlaufen, kann die Sache schnell existenzgefährdent werden. Jedem Dorf tut es gut, eine Kneipe, einen Gasthof oder ein Restaurant zu haben – ein Anspruch, den schon nicht mehr jede der Markersdorfer Ortschaften erfüllt. Deshalb sollte sich jeder aufgerufen fühlen, je nach Angebot Außer-Haus-Essen oder Gutscheine zu erwerben und auf diese Weise ein kleines Stückchen dazu beizutragen, dass die gastronomische Infrastruktur erhalten bleibt. Und weil wegen der Vorsichtsmaßnahmen sicherlich auch im Dezember die Platzkapazität eingeschränkt sein wird, sind Vorbestellungen bestimmt schon jetzt möglich.

Spät kommt sie, aber sie kommt, die Martinsgans

Aber dass das Martinsgans-Essen ausfallen soll, das kann man doch nicht so einfach hinnehmen – dachte sich jedenfalls die Inhaberfamilie des Berggasthofs Jauernick-Buschbach und hat es kurzerhand in den Dezember verlegt. Bleibt zu hoffen, dass die Corona-Situation dann die Öffnung wieder zulässt. An den Gastronomen soll es nicht liegen, die haben schon über den Sommer Hygienekonzepte umgesetzt und das Ansteckungsrisiko fast auf Null gebracht – vorausgesetzt, auch die Gäste halten sich daran.

Weshalb die Martinsgans auf dem Teller landen muss

Die Menschen sind schon eigentümliche Wesen, sind sie doch die einzigen, die die Tiere lieben, bevor sie sie verspeisen. Bei den zur Martinsgans geadelten Gänsen ist das nicht anders. Aber vielleicht haben es sich ja die Gänse verdient, im Bratentopf zu landen, sind sie doch als Verräter in die Geschichte des Heiligen Martins eingegangen. Und das war so:

Martin, ein römischer Soldat, teilte seinen Mantel mit einem frierenden Bettler. Im Traum gab sich der Bettler dann als Jesus Christus zu erkennen. Das war für Martin natürlich sehr beeindruckend, er beschäftigte sich mit dem Christentum und ließ sich im Alter von ungefähr Mitte 30 taufen. Als ihn die Bürger der Stadt Tours baten, ihr Bischof zu werden, war ihm das dann aber in seiner Bescheidenheit doch zuviel und er – so wird kolportiert – versteckte sich in einem Gänsestall. Das aufgeregte Geschnatter des Federviehs verriet jedoch den ungewöhnlichen Gast. Ob er nun wollte oder nicht: Der Kelch ging an ihm nicht vorüber und Martin wurde zum Bischof geweiht. Das war auch gut so, denn er sollte in diesem Amt einige Wunder auf die Beine stellen.

Martin teilt am Stadttor von Amiens seinen Mantel mit dem Schwert, um die Hälfte einem frierenden Bettler zu geben. Das Foto entstand in Utrecht, Holland.

Foto: Jeyaratnam Caniceus , Pixabay License

Legenden und Fakten um die Martinsgans

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Nach so langer Zeit, Martin soll um 316 geboren worden sein, haben sich freilich Legenden entwickelt. Eine besagt, die Gänse hätten eine seiner Predigten als Bischof gestört und deshalb letztlich den Weg in den Magen-Darm-Trakt gefunden.

Historiker allerdings sind gewohnt, Geschichte etwas nüchterner zu betrachten. Sie weisen darauf hin, dass am 11. November Abgaben, auch in Form einer Gans, fällig wurden – aber wer würde heute aus Freude über seine zu zahlenden Steuern ein Festessen mit einem Gänsebraten veranstalten? Da erscheint es schon logischer, dass sich unsere Vorfahren vor dem Beginn der 40-tägigen Fastenzeit noch einmal den Bauch so richtig vollgeschlagen haben. Außerdem: Wenn Mägde und Knechte ihre Arbeitsstellen wechselten, dann meist im Herbst, wenn die Ernte unter Dach und Fach war. Gutsherren und Bauern gaben dann durchaus eine Gans mit auf den Weg.

Rund um den 11. November kann man noch mehr zusammentragen: Am 10. November 1483 wurde Martin Luther geboren, am 11. November, dem Namenstag des Heiligen Martins, wurde er getauft. Auf Luther und nicht etwa auf den Heiligen Martin bezieht sich deshalb das protestantische Martinifest. Wenn aber der Heilige Martin gefeiert wird, dann als Martinsfest am 11. November als seinem Todestag.

Der heilige Martin heute

Sein Lebenslauf machte Martin, auch Martinus von Tours genannt, zum Vorbild. Seine Nachfolger auf dem Bischofsstuhl nutzten das für ihr, nun ja, heute würde man sagen, Marketing – mit Erfolg, denn Martin wurde Nationalheiliger und vielfältiger Schutzpatron, so etwa der Reisenden und der Bettler, aber auch der Flüchtlinge, der Gefangenen, der Abstinenzler und naheliegenderweise der Soldaten.

Leiten lassen kann man sich getrost vom Gedanken, zu teilen – und zwar nicht nur unter seinesgleichen, sondern auch mit jenen, die manchem des Teilens als nicht würdig erscheinen mögen. Das macht den Heiligen Martin richtig aktuell für unsere Zeit. Und wen könnte man, diesem Gedanken folgend und diesmal ausnahmsweise in der Adventszeit, zum Martinsgans-Essen einladen?

Quelle: PR/Ost!

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