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Jung und Alt

Den dörflichen Charakter erhalten oder städtischer werden?

Blick zur Landeskrone an der Neuen Straße in Friedersdorf
Blick zur Landeskrone an der Neuen Straße in Friedersdorf

Dass die Ansichten von Alt und Jung gelegentlich aufeinanderprallen, das verwundert wohl niemanden so richtig. Während den Älteren gern nachgesagt wird, zu oft am Gewohnten festhalten zu wollen, gar veränderungsunwillig zu sein, müssen Jüngere nahezu regelmäßig ertragen, als unerfahren charakterisiert zu werden.

Jung und Alt mit unterschiedlichen Sichtweisen

Werden solche Vorurteile gegenseitig aufgetischt, sollte man sehr zurückhaltend sein: Genauso wenig, wie man Älteren ihr Alter vorhalten kann – schließlich haben sie selbst keinen Einfluss darauf –, kann man jungen Leuten ihre mangelnde Erfahrung vorhalten, im Gegenteil: Gemachte Erfahrungen sind immer nur ein Teil des Möglichen und somit zwar vielleicht Grundlage einer Meinung, aber keinesfalls repräsentatives Wissen – und überhaupt: Wie viele Erfahrungen werden unfreiwillig gemacht?

Um nicht noch weiter ins Theoretische abzugleiten, hier der Anlass für diesen Beitrag: Es gab eine Diskussion zwischen jüngeren und etwas älteren Leuten über den Einzug städtischen Charakters in den öffentlichen Raum von Dörfern. Konkret ging es – ausdrücklich nicht am Beispiel Markersdorf –  um großflächige Werbung, Graffiti, Imbisseinrichtungen und Kneipen, Lichtreklame  und generell mehr Licht im abendlichen oder nächtlichen Dorf.

Graffiti ist kein rein städtisches Thema, in den Markersdorfer Ortschaften allerdings sprechen richtige Graffiti-Künstler und Eigentümer vorher miteinander ab, wo gesprüht werden kann

Pro und Kontra

Fasst man die Argumente der “Lichtbefürworter” zusammen, dann steht Licht für Leben im Dorf und dient wie etwa eine Leuchtschrift oder eine leuchtende Werbesäule als Orientierung. Ganz ohne wenigstens stellenweise ein wenig städtisches Flair würden noch mehr junge Leute abwandern. “Stell’ Dir mal New York ohne Leuchtreklame vor!”, hieß es – der Hinweis, dass dieser Vergleich wohl mehr als hinke, wurde nicht akzeptiert.

Jene, die sich dem Thema “Mehr Licht!” eher bedachtsam näherten, führten vor allem Argumente dagegen ins Feld. Ein Dorf sei nun einmal keine Stadt und die Einwohner schätzen es, hier recht unaufgeregt leben zu können. Ein weiteres Argument war die sogenannte Lichtverschmutzung: Helle Lichtquellen stören die Menschen in ihrem Hell-Dunkel-Rhythmus, die resultierenden Schlafstörungen können Mitauslöser für Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Übergewicht und Typ-2-Diabetes sein.

Doch auch die Tierwelt leidet: Vögel prallen gegen Lichtquellen, für Insekten wird nächtliches Licht zur tödlichen Falle. Detailliert haben das die Paten der Nacht von der gleichnamigen, gemeinnützigen Gesellschaft zusammengefasst. Allerdings gab es auch unter den “Lichtgegnern” Fürsprecher für grundsätzlich mehr Licht, insbesondere von den Damen, denn diese möchten nicht in stockfinsterer Nacht allein unterwegs sein müssen.

Ein Frage des Kontrastes

Spätestens hier muss man einmal die eher wissenschaftliche Seite nächtlicher Beleuchtung beleuchten: Für das Sehen ist es besser, eine gewisse Grundhelligkeit mit wenig Kontrast zu haben – das Gegenteil wäre eine sehr intensive Lichtquelle, die ihren Bereich zwar hell ausleuchtet, doch wenn sich die Augen daran anpassen und die Pupillen verengen, erscheint die dunkle Umgebung außerhalb des Lichtkegels noch dunkler.

Außerdem können sehr helle Lichtquellen in dunkler Nacht durchaus schädlich für die Augen sein: Wie bei einem Autoscheinwerfer blickt man unwillkürlich hinein. Unter Umständen wird dabei die Makula strapaziert, der Ort des schärfsten Sehens auf der Netzhaut. Gerade bei Älteren wird das vermutet. Das ist – nebenbei bemerkt – ein großes Problem bei modernen LED-Fahrzeugscheinwerfern.

Lichtverschmutzung vermeiden

Lichtverschmutzung gibt es auch im Kleinen. Manches Grundstück wird dank preiswerter und im Stromverbrauch günstiger LED-Scheinwerfer über Nacht ausgeleuchtet – wozu eigentlich? Wer Angst vor Einbrechern hat, erleichtert ihnen so nur noch die Orientierung.

Vielleicht bringt die Zukunft ja Lösungen, die heute noch ungeahnt sind. Denkbar wäre eine “intelligente Straßenbeleuchtung”, die etwa ihre Intensität automatisch den Gegebenheiten wie Dunkelheit und Wetter anpasst oder erst zu voller Leistung schaltet, wenn sich jemand oder ein Fahrzeug dem Beleuchtungsbereich nähert – doch Stopp, etwa in Ludwigsburg gibt es das bereits. Sparsame Lichtquellen und eine optimierte Lichtverteilung hingegen sind schon lange verfügbar; Fakt ist: Die Entwicklung geht immer weiter.

Ein Beitrag der Redaktion markersdorf.de

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