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Über den Umgang mit Zeit

Ach du liebe Zeit!

Pünktlichkeit ist eine Tugend – aber ist sie immer nötig? Bei einem Meeting auf jeden Fall!
Pünktlichkeit ist eine Tugend – aber ist sie immer nötig? Bei einem Meeting auf jeden Fall!

Foto: Gerd Altmann

Wie oft beschleicht doch so manchen unter uns das Gefühl, die Zeit verginge wie im Fluge und die Tage und Wochen rasen immer schneller dahin. Der Markersdorfer Unternehmensberater Thomas Beier befasst sich seit vielen Jahren mit dem Zeitmanagement in der Wirtschaft und ist zu Auffassungen gelangt, die nicht unbedingt zu den oft gelehrten Regeln und Prinzipien des Zeitmanagements gehören.

“Natürlich ist grundsätzlich richtig, was in vielen Büchern und Seminaren zum Zeitmanagement gelehrt wird. Für das Leben – im Beruf und ganz privat – ist es sehr hilfreich, sich mit den Aspekten des Zeitmanagements zu befassen und die Prinzipien so zu verinnerlichen, dass man sie auch anwenden kann”, meint Beier und nennt als Beispiele die Vorteile von Termin- und Zielplanung, der Kräftekonzentration nach dem Pareto-Prinzip, die Unterscheidung zwischen dringend und wichtig sowie die Eliminierung von sogenannten Zeitdieben.

Allerdings haben diese Prinzipien seiner Meinung nach zwei große Haken: Erstens stellen sie allein darauf ab, die Zeit immer wieder noch effizienter zu nutzen, was letztendlich jedoch nur zu noch mehr Zeitdruck führt. Außerdem werden neurobiologische Prozesse kaum beachtet, wenn man davon absieht, dass oft auf die tägliche Leistungskurve verwiesen wird.

Zum zweiten Haken sagt Beier: “Ich glaube, Zeitmanagement kann man nur dann richtig begreifen und anwenden, wenn die persönliche Zeitscheibe auch für wichtige Dinge nicht mehr ausreicht.” Zwar habe fast jeder das Gefühl, “keine Zeit” zu haben, doch das stimme so nicht: “Zeit ist an jedem einzelnen Tag sehr gerecht verteilt, für jeden von uns hat der Tag 24 Stunden.” Die Aussage “keine Zeit” besage nur, dass etwas anderes wichtiger oder dringender ist. Also müsse man unbedingt seine Aufgaben priorisieren und dürfe nicht alles, was zu erledigen ist, gleichermaßen wichtig nehmen. Im Alltag ergeben sich durchaus schwierige Situationen und Verstimmungen, wenn man für bestimmte Anliegen keine Zeit bleibt und Erwartungen anderer enttäuscht werden. Andererseits erledige sich manches von selbst, wenn man es von vornherein als nicht dringend eingestuft hat.

Beier hat einige Hintergründe und Tipps zum Thema Zeit zusammengestellt:

Warum die Zeit immer schneller zu vergehen scheint

Wer wenig erlebt hat, wessen Tage über Jahre gleichförmig vergangen sind, hat weniger herausragende Erinnerungen als andere und meint deshalb oft, die Zeit sei schnell vergangen. Besonders tragisch tritt das zutage, wenn jemand auf dem Sterbebett sagt: “Aber ich habe doch noch gar nicht richtig gelebt.” Um diesem Fazit vorzubeugen ein Tipp: Besser als ein “großer Urlaub” ist es, sich öfter ein ungewöhnliches, möglichst erstmaliges Erlebnis zu verschaffen – und sei es nur für wenige Stunden. Einen Ort aufzusuchen, an dem man noch nie gewesen ist – in der Natur, eine fremde Stadt, oder eine Veranstaltung (Geheimtipp: die Saloppe in Dresden). Nur wer vielfältige Erinnerungen hat, kann sein Leben als reich empfinden, wer dagegen tagein tagaus ein und dasselbe tut, für den ist sein Leben schnell vergangen.

Wer es lieber theoretisch mag, kann sich mit folgendem Erklärungsmodell trösten: Angenommen, unser Hirn hätte einen Impulsgeber, der mit der Zahl der Lebensjahre immer langsamer wird. Gesetzt im Alter von zehn Jahren hätte man 100 Impulse am Tag, mit 20 Jahren vielleicht 97, mit 30 noch 92 und irgendwann sind es nur noch 70 und es werden immer weniger. Unser Zeitempfinden beruht womöglich darauf, wie viele dieser Impulse pro Tag registriert werden. 100 Impulse, das ist ein endlos langer Tag, sind es nur noch 70, dann war der Tag eben schon bei Nr. 70 vorbei und wird als viel kürzer empfunden. Wie dem auch sei: Ein abwechslungsreiches Leben mit immer wieder neuen Herausforderungen hält geistig fit und entschärft das Problem des scheinbar schnelleren Ablaufs der Zeit.

Dem Termindruck entweichen

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In unserer Gesellschaft ist es üblich, Termine zu vereinbaren – und wehe, sie werden werden nicht eingehalten! Typisch in der Wirtschaft ist ein Besuchstermin außer Haus, zum Beispiel vereinbart für 14 Uhr. Automatisch entsteht die Erwartung, dass der Besuch Punkt 14 Uhr beginnt. Um pünktlich zu sein, muss der Besuchende eine Zeitreserve einplanen, so vielleicht für Stau oder die Parkplatzsuche. Geht aber alles glatt, ist er oder sie zu zeitig da und muss bis zum Termin warten (ungeschriebene Regel: zum Termin eher als zwei-drei Minuten vorher erscheinen darf man allenfalls nach telefonischer Zustimmung). Es entsteht also eine häufig nicht sonderlich nutzbare oder gar vertane Zeit; ebenso, wenn man sich wirklich verspätet für den, den man besuchen will, der dann womöglich noch verärgert reagiert. Besser ist das, was Beier sein “Uckermark-Prinzip” nennt: Zuerst sollte man checken, ob eine punktgenaue Terminvereinbarung überhaupt notwendig ist. Wenn nicht, dann den Termin als Zeitfenster vereinbaren: “Ich bin dann also zwischen 13.30 und 14.30 Uhr bei Ihnen!” Und warum heißt das “Uckermark-Prinzip”? Na, dort würde man sagen: “Ich komme nach’m Mittag mal rum” und so jeglichen Zeitdruck vermeiden.

Tipp: Platzt wirklich einmal ein Termin, so sollte man sich über die “gewonnene Zeit” freuen und sie für Dinge nutzen, die man gern tut – ein wenig Müßiggang ist nicht aller Laster Anfang, sondern Voraussetzung dafür, dass sich neue Ideen formen können.

Wo Zeitplanung an Grenzen stößt

Nicht alle Tätigkeiten kann man exakt planen und erst recht nicht alle nach Plan umsetzen – dennoch muss man sie planen. Was auf den ersten Blick paradox erscheint, ist schnell erklärt. Weil oftmals kaum kalkulierbare Einflüsse auf die persönliche Planerfüllung einwirken, empfiehlt sich oft der sprichwörtliche Plan B. Wenn man morgen den Rasen mähen will, es aber unerwartet wie aus Strömen regnet, dann sollte man genau so einen Ausweichplan haben, um seine Zeit nicht totschlagen zu müssen, wie der Volksmund sagt.

Was vielen Leuten schwerfällt, ist Kreativität auf Kommando; betroffen sind Kreativberufe vom Erfinder über den Ingenieur bis zum Künstler ebenso wie der private Bereich. Hier greift das Sprichwort “Gut Ding will Weile haben”. Praktisch heißt das, sich seine Aufgabe oder Problemstellung zu verdeutlichen, möglichst die bekannten Fakten aufzuschreiben oder zu skizzieren und dann erst einmal abzuwarten, bis zum nächsten Tag oder oft besser mehrere Tage. In dieser Zeit arbeitet das Unterbewusstsein an jedem einzelnen Tag 24 Stunden lang weiter und die Wahrnehmung sucht automatisch nach Informationen, die zur Lösung beitragen. Mit dem spontanen Ruf “Jetzt hab’ ich’s!” entstehen dann meist bessere Lösungen als unter hohem Zeitdruck.

Zeit im Beruf versus Zeit für das Privatleben?

Da haben es Arbeitnehmer meist gut: Es ist eindeutig definiert, wann die Arbeitszeit beginnt und zu Ende ist und wann die frei verfügbare Zeit, in der man berufliche Probleme beiseitelassen kann, beginnt. Anders ist das bei Unternehmern, sei es nun der klassische Selbständige, ein hochrangiger Manager oder in einem Startup. Hier ist Arbeitszeit nicht begrenzt. Unternehmensberater Beier charakterisiert das ein wenig provokant so: “Als Arbeitnehmer hat man ständig Freizeit, unterbrochen durch die Arbeitszeit; als Unternehmer hat man ständig Arbeitszeit und muss sich seine Freizeit selbst nehmen.” Dass Rentner, die eigentlich immer Freizeit haben, niemals Zeit haben, ist ein weiteres Paradoxon der Zeit und nicht erst seit der Fernsehserie mit Herbert Köfer und Helga Göring bekannt.

Ein typischer Bereich, in dem sich Arbeits- und Freizeit auch für Arbeitnehmer nicht trennen lassen, ist für Beier die Weiterbildung: “Wer Weiterbildung nur akzepziert, wenn sie gar nicht zu vermeiden ist und dann auch noch auf die Arbeitszeit beschränken möchte, verzichtet auf Entwicklungschancen und verliert mit der Zeit seine berufliche Flexibilität.” Hier sei Eigeninitiative gefordert – und das über die Arbeitszeit hinaus.

Bei vielen Selbständigen, aber auch in Berufen, die stark im öffentlichen Fokus stehen, mischen sich jedoch Arbeits- und Freizeit. “Wer beispielsweise einen Künstler, dem man zufällig begegnet, wortreich um ein Autogramm bittet oder einen Kunden in dessen Freizeit auf sein Geschäft anspricht muss wissen, dass der dann zumindest mental wieder auf Arbeit ist”, so Beier und rät eher davon ab, private Situationen für Anliegen, die mit dem Beruf des Angesprochenen zu tun haben, zu nutzen.

Während es manchen guttut, Beruf und Freizeit klar zu trennen, verbinden andere beide Bereiche. “Im Extremfall bekommt man dann seine Freizeit bezahlt”, lacht Beier und meint: “Der Job muss Spaß machen, damit der Lohn nicht zum Schmerzensgeld wird!” Grundempfehlung sei, sich ab und an auch einmal Zeit dafür zu nehmen, sich mit dem eigenen Umgang mit der Zeit zu beschäftigen. Wer sich dabei helfen lassen will, für den gibt es vielfältige Literatur und Weiterbildungsangebote, auch in Markersdorf und Umgebung.

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