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Generationenfrage

Stimmt das Zusammenleben von Jung und Alt noch?

Großeltern, die ihre Enkel aufwachsen sehen, haben es gut
Großeltern, die ihre Enkel aufwachsen sehen, haben es gut

Symbolfoto: Alexandra Koch, Pixabay License

Konflikte unter den Generationen gab es schon immer – und schon immer war aus Sicht der Alten die Jugend so sehr verdorben wie noch nie in der ganzen Menschheitsgeschichte:

„Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

- Sokrates, 469 bis 399 v. Chr., griechischer Philosoph

Aber schon die Sumerer, die Hochkultur im alten Mesopotamien, dem Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris im heutigen Irak, hatten um 3.000 vor Christus ihre Sorgen:

„Die Jugend achtet das Alter nicht mehr, zeigt bewusst ein ungepflegtes Aussehen, sinnt auf Umsturz, zeigt keine Lernbereitschaft und ist ablehnend gegen übernommene Werte.“

- Keilschrifttafel der Sumerer

Nun ja, offenbar neigen die Alten dazu, ihre eigene Jugend zu vergessen oder zumindest in einem rosaroten oder sehr selbstgerechten Licht zu sehen. Das Thema ist nicht neu: “Was ist nur mit der Jugend los?” lautete die Frage im Jahr 2019. Heutzutage zeigt sich der Konflikt, wenn die Generation er über Sechzigjährigen, oft 60plus genannt, die Teens und die Twens – die Altersspanne von der Pubertät bis in die Zwanziger Lebensjahre hinein – als mit wenig Wissen ausgestattet einschätzt. Doch die jungen Leute heutzutage sind ja nicht dümmer als die Älteren in jener Zeit, als sie noch jung waren; sie wissen eben nur andere Dinge, nämlich genau jene, die sie in ihrem Alltag benötigen.

Das war bei den heute Älteren auch so und ist Teil ihrer gewachsenen Lebenserfahrung. Auch jeden Fall haben die Älteren überhaupt keinen Grund, Jüngere zu belächeln – ganz im Gegenteil, die heutige Jugend steht vor Herausforderungen, die die ältere Generation gar nicht kannte oder zumindest nicht wahrhaben will, weil es für sie eben ganz andere Herausforderungen gab. Wenn etwa Senioren heute meinen, die Rente stünde ihnen zu, weil sie über ein langes Arbeitsleben hin eingezahlt haben, dann stimmt das eben nicht, denn mit den Beiträgen wird die jeweils aktuelle Rentnergeneration finanziert und die heutigen Arbeitnehmer finanzieren die heutigen Rentner bei schlechten Aussichten, selbst eine vergleichbares Rentenniveau zu erleben. Dass das Jüngere vor Herausforderungen in Hinsicht auf ihre Altersvorsorge stellt, daran gibt es keinen Zweifel.

Die Vorurteile der Alten

Beispiele für unterschiedliche Sichtweisen der Generationen – ob nun der Alten über die Jungen oder umgekehrt –  finden sich viele. Nehmen wir nur die deutsche Rechtschreibung, die für etliche aus der jungen Generation anscheinend nicht einmal mehr Empfehlungscharakter hat, jedenfalls, wenn man Beiträge – sogenannte Posts – auf Facebook & Co. liest. Allerdings hat automatische Korrektursoftware, so begrenzt sie eben funktioniert, dazu beigetragen, dass das Erlernen von Rechtschreibung und Grammatik nicht mehr sonderlich attraktiv ist. Die Ausrede “Du weißt doch, was gemeint ist” findet vor diesem Hintergrund Anerkennung. Dass man wegen schlechter Rechtschreibung insgesamt als nicht sonderlich gebildet eingeschätzt wird, ist völlig egal, so lange Leute mit gleichartigen Ansichten darüber unter sich sind.

Manchmal wird die Unkenntnis aber erschreckend. Ein Elektrikerlehrling im zweiten Lehrjahr, gefragt nach der Netzspannung, macht nur große Augen. Auf die nächste Frage, ob da nun Wechselstrom oder Gleichstrom aus der Steckdose kommt, gibt es aber eine ernsthaft gemeinte Antwort: “Das entscheidet der Chef!” Unglaublich, wenn es nicht so selbst erlebt wäre. Oder ein anderer grinsend auf die Frage, was eine Hohlschraube ist: “Das muss ein hohler Typ sein!” Dass man Hohlschrauben in der Hydraulik etwa an Bremsleitungen, in der Pneumatik und selbst am Mopedvergaser braucht: Fehlanzeige.

Ältere wissen mehr, doch vieles ist veraltet

Natürlich sind solche Antworten bei jemandem, der Branchenfachmann werden möchte, ziemlich peinlich, andererseits stehen Ältere bei Fragen, die bei jungen Leuten zum kleinen Einmaleins gehören, zuweilen genauso dumm da, gerade wenn es um Internet, Trends in der Musik, Themen im Kulturbereich, aber auch um Umweltschutz und eine nachhaltige Lebensweise geht. Oft wehren sich die Älteren mit Pauschalurteilen wie dem von den verwöhnten Kindern aus Wohlstandsfamilien, anstelle sich mit den Themen auseinanderzusetzen.

Das Erfahrungswissen hingegen, auf das viele Ältere so stolz sind, hat für die deutlich Jüngeren oft keinen Wert. Klar können die am Auto die Zündung nicht selbst einstellen, wie das im Zeitalter vor der elektronischen Zündung wohl fast jeder Kraftfahrer beherrschte, der ein benzingetriebenes Gefährt besaß – aber sie brauchen es auch nicht zu können, die Technologie hat sich gründlichst verändert. Junge Leute müssen nicht mehr Brennholz sägen und können folglich keine Sägeblatt schärfen und tatsächlich rufen manche Leute zum Glühbirnenwechsel – heute Leuchtmittel genannt – den Elektriker.

Werte vergehen, andere entstehen neu

Vieles ändert sich, so schwinden etwa auch bestimmte Wertvorstellungen und Benimmregeln: Jung grüßt Alt, Jung bietet im Bus den Sitzplatz an, am Sonntagsbraten bedient sich zuerst der Vater, Jung hält die Klappe, wenn Alt spricht – spätestens hier wird klar, dass bestimmte Regeln inzwischen absurd sind. Ältere haben übrigens viel weniger Probleme mit jüngeren Leuten, wenn sie nicht der Versuchung unterliegen, ständig mit der höheren Zahl ihrer Lebensjahre zu kokettieren und für sich daraus Rechte abzuleiten.

Leben – das ist immer das eigene

Es macht für Ältere wenig Sinn, sich auf die schweren Jahre der eigenen Jugend zu berufen, den Krieg und die Nachkriegszeit etwa, denn die heutigen Jugendlichen waren davon nicht betroffen und sagen sich: Das war halt damals so, was kann ich dafür, dass du da durch musstest, was hat das mit mir zu tun?

Was für Ältere wirklich belastend wirkt ist allerdings die Tatsache, dass sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen kaum noch an die Enkel weitergeben weitergeben können. Einen Drachen selbst bauen? Ach was, Vati kauft einen, das geht schneller. Eine Sense dengeln? Aber wir haben doch einen Rasenmäher! Pilze suchen und bestimmen? Heutzutage haben viele regelrecht Angst davor und kaufen lieber Zuchtpilze im Laden. Und zu Hause Video gucken ist eh bequemer.

Für viele Erinnerungen haben die Enkel keine Anknüpfungspunkte mehr. Erzählt der Opa, wie in Görlitz-Rauschwalde die Straßenbahn rangierte, dann sieht der Enkel dort nur eine Tankstelle; die Erzählung von früher – das, woran sich Opa und Oma gern erinnern – hat mit seinem Leben nichts zu tun.

Die andere Seite

Gesagt werden muss aber auch, dass es viele vielseitig interessierte junge Leute gibt. Oft haben sie von ihrem Elternhaus vieles an Wissen und Grundeinstellungen mit auf den Lebensweg bekommen und gehen mit einer freundlichen und vorurteilsfreien Grundhaltung durchs Leben, die eingangs zitierten uralten Bemerkungen über die verdorbene Jugend widerlegend.

Enden wir mit einem Zitat, das aus heutiger Sicht nicht ernstgemeint sein kann:

„Diejenigen aber, die gegen alle tadelnden Vorstellungen taub sind, muss man durch das Joch der Ehe zu fesseln versuchen.“

- Plutarch, ca. 45 bis 125 n. Chr., griechischer Philosoph und Schriftsteller

Thomas Beier für die Redaktion markersdorf.de

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