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Gastronomie im Dorf

Kneipen in der Oberlausitz

Die frühere Gaststätte “zum Schwan” in Groß Särchen
Die frühere Gaststätte “zum Schwan” in Groß Särchen

Gibt es das in der Oberlausitz noch, so richtige Kneipen? In vielen Dörfern sind sie, oft Gerichtskretscham genannt, ausgestorben. Manche hoffen auf eine Renaissance, doch kann das gehen?

Blickt man auf die Gastronomie in Markersdorf, dann muss man sagen: Immerhin. Immerhin hat  Holtendorf hat noch seinen Gerichtskretscham, außerdem das Hotel Marschall Duroc. In Jauernick-Buschbach ist der Berggasthof beliebt und kann mit seinem Saal auch größere Familienfeiern ausrichten. Und das Bodrum an der B 6 in Markersdorf hat ebenfalls seine Klientel, ebenso Heikos Bar “Zum 12. Mann” als Sportsbar in Friedersdorf. Doch das “Weiße Rössel” in Pfaffendorf und der Gasthof “Zur Brauerei” in Markersdorf sind seit langem geschlossen, andere wie in Gersdorf sind inzwischen abgerissen. Wie also sieht es aus mit der Gastronomie im ländlichen Raum, wie stehen die Chancen?

Wandel in der Gastronomielandschaft

Der abrupte Wandel im Osten Deutschlands nach 1990 hat natürlich auch die Oberlausitz getroffen. Was sich im damaligen Westdeutschland nach und nach entwickelt hatte, musste hier binnen kürzester Zeit absolviert werden. Und so fallen die Unterschiede auf: Während man sich, da haben wir’s erlebt, etwa im Münsterland, im Erzgebirge oder im Umland von München, wo man sich noch immer “auf ein Bier” trifft – wobei die Bemessungsgrundlage eher ein theoretisches Glas ist, in das durchaus mehrere halbe Liter passen. In der Oberlausitz ist es wie auch anderswo in Ostdeutschland eher das “Essen gehen”, das in einen Gastronomiebetrieb führt. Das hat vielerlei Ursachen und Konsequenzen.

Sargnägel der Dorfkneipen

Das, was man gewöhnlich als “geselliges Beisammensein” bezeichnet, hat sich auch in der Oberlausitz immer weiter weg von der Gastronomie entwickelt. Während früher wohl zu jedem Dorfgasthof neben dem oft vorhandenen Saal auch ein Vereinszimmer gehörte, treffen sich viele Vereine inzwischen oft woanders: Dorfgemeinschaftsräume, Vereinsgebäude oder private Partyräume haben den Dorfgaststätten nach und nach die Gäste entzogen.

Hinzu kommt ein verändertes Freizeitverhalten: Man spricht nicht mehr am Biertisch mit- und übereinander, sondern tauscht sich via Internet aus. Die private Ausstattung mit Pavillons, Grills und Gartenküchen ist inzwischen enorm – und alles will genutzt und präsentiert sein. Wozu man sich früher im Gasthof traf, läuft heute entsprechend im Privaten ab. Und viele verbringen ihre Zeit lieber im Fernsehsessel und im Internet, als sich mit anderen zu treffen.

Noch etwas muss erwähnt werden: Die Vertriebspolitik der Brauereien und die bürokratischen Auflagen seitens des Gesetzgebers. So war vor vielen Jahrzehnten das Bier vom Fass günstiger als das Flaschenbier – längst ist es umgekehrt. Gesetzliche Auflagen zwingen selbst kleine Dorfkneipen dazu, Investitionen zu tätigen wie große Restaurants; Edelstahl statt Holz in der Küche, Kassensystem statt Handkasse sind nur Beispiele.

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Manche Fehler haben die Wirte – hinterher ist man immer schlauer – selbst gemacht, etwa wenn Traditionskneipen wie etwa der “Zum Schwan” in Groß Särchen modernisiert wurden und sich dann manche nicht mehr wohlfühlten, weil das vertraute  Ambiente und die alten Fotos einfach weg waren. Das Gegenbeispiel ist die Hochwaldbaude im Zittauer Gebirge: Nach einem Brand wurde sie neu aufgebaut und 1938 wiedereröffnet – und ganz genau so kann man sie heute noch erleben.

Heute eine Gastronomie im ländlichen Raum eröffnen?

Fakt ist: In wohl allen Dörfern wünschen sich die Einwohner eine – nennen wir das Kind ruhig beim Namen – Dorfkneipe, aber wirklich hingehen, geschweige denn regelmäßig, würden die wenigsten. Und so sind die Beispiele, bei denen ein junger Wirt durchstartet, eher selten. Andererseits zeigen Orte wie etwa Krauschwitz bei Bad Muskau, dass eine Gastronomielandschaft im ländlichen Raum – vom Gasthaus bis zum Eiscafé – funktionieren kann.

Sollen jedoch stillgelegte Gastronomiestandorte wiederbelebt werden, dann wird es schwierig, schon weil die Stammkundschaft weg ist. Ein wichtiger Einflussfaktor ist außerdem die Mobilität: Auch etwas weiter entfernte Gastronomieeinrichtungen sind schnell erreichbar, was den Konkurrenzdruck steigert. Allerdings ist die inzwischen gesellschaftlich auch eingeforderte Abstinenz des Kraftfahrers für viele ein Grund, auf den Gaststättenbesuch zu verzichten.

Konzept mit Unbekannten

Ohne ein vernünftiges Geschäftskonzept sollte man keine Gaststätte eröffnen. Während sich jedoch die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Investitionen für Gastronomiebedarf und Küchentechnik sowie die laufenden Kosten gut planen lassen, gibt es eine große Unbekannte: den Gast. Wie viele kommen wie oft, wie viel Geld wird ausgegeben? Gibt es Vorbehalte oder Vorurteile, über die niemand mit dem neuen Wirt oder der Wirtin spricht? Ist in der Ortschaft eine Kultur ausgeprägt, zu der es gehört, im Gasthaus zu feiern?

Wer hier neu einsteigen will, muss alles auf eine Karte setzen. Die Variante, erst einmal nur gelegentlich zu öffenen und dann sein Geschäft als Gasthaus nach und nach aufzubauen mag noch zum Beginn der 1990er Jahre funktioniert haben, wäre heute aber angesichts der umfassenden rechtlichen Auflagen kein gangbarer Weg mehr.

Nutzen, was vor Ort ist

Mit jedem geschlossenen Gasthaus stirbt ein Stück Dorfkultur und die Weisheit, wonach, was einmal weg ist, so nicht wiederkommt, ist nicht neu – ein guter Grund für die Markersdorfer, die Gaststätten in ihren Ortschaften wieder einmal aufzusuchen.

Ein Beitrag der Redaktion markersdorf.de

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